Stative, Nutzen, Grenzen, Praxis, Tests

vg

Stative in der Fotografie

Stative stellen eine langfristige Investition dar, die man sich genau überlegen sollte.

Anforderungen an ein Stativ

Ein hochwertiges Stativ (mit Stativkopf) sollte

Leider erfüllt kein Stativ alle Wünsche perfekt.

Aber man kann für seine Zwecke die sinnvollste Kompromisslösung finden, die dem Ideal sehr nahe kommt.

Im Folgenden erfahren Sie:

In diesem Haupt-Artikel werden Auswahl-Kriterien der Stative beschrieben, ein Überblick über die aktuelle Technik geliefert und Kaufempfehlungen ausgesprochen.
Weiterführende Details zu den einzelnen Stativ-Kategorien finden Sie dann auf den Einzelseiten in der Navigation.

Ein Inhaltsverzeichnis mit direkten Sprungmarken und Überblick über alle bei Stativen behandelten Themenbereiche finden Sie als Pop-Up.

Jeder Fotograf benötigt ein Stativ

Wer ernsthaft Fotografieren möchte, benötigt ein Stativ.
Ein bekannter Fotograf formulierte es einmal pointiert so: Fotografieren heißt: mit dem Stativ arbeiten. - Alles andere ist nur sinnloses Knipsen.

Definition Stativ

Bei einem Stativ handelt es sich nur um eine irgendwie geartete Halterung, welche die Kamera fest fixiert (stativus lateinisch feststehend). Man kann auch jede mechanische Halterung, die zum Abstützen und Justieren eines Gerätes dient, darunter fassen. Das muss nicht das klassische Dreibeinstativ sein. Definition + Bilder. Das Stativ sollte nur einen festen, wackelsicheren Kamerastandpunkt garantieren.

In diesem Artikel werden die Stative für Kameras behandelt (= Kamerastative) - nicht jedoch diejenigen für Blitzgeräte, Leuchten (Leuchten-Stative / Lightstand), Studio-Zubehör etc. - Beschrieben werden hier deshalb ausführlich Foto- und Filmstative. Die klassische Unterteilung in Foto- und Video-/Filmstativ leuchtete mir sowieso nie ein. Und heute wird sowieso mit Fotokameras gefilmt und mit Video-Kameras fotografiert.

Vorteile - Einsatzzwecke eines Stativs

Wann kann oder sollte man ein Stativ benutzen?

Weitere - meist unbekannte - Vorteile von Stativen

Erst im Laufe der Jahre fand ich weitere Vorteile eines Stativs heraus:

Kamera-Klassen / Gewichts-Klassen der Stative

Welches Stativ eignet sich für welchen Kameratyp?

Auswahl-Kriterien / Stativ-Arten / Stativ-Gruppen

Jedes Stativ ist besser, als ohne zu fotografieren.

Wer sich jedoch im Internet und in Zeitschriften nach Stativen zur Fotografie umsieht, der wird von einem riesigen Angebot erschlagen. Allein der US-Händler Adorama bietet über 500 verschiedene Stative an. Der Hersteller Manfrotto behauptet in einem Film, 390 Modell-Serien zu führen. (Die Ende 2016 rund 85.000 Treffer beim Wort Stativ bei Amazon zeigen jedoch nicht die Modelle, sondern die oft identischen Angebote vieler Verkäufer.)
Dazu finden sich unterschiedliche Konfigurationen und oft auch noch Varianten. Hinzu kommen Auslaufmodelle und über Jahre noch verkaufte Restbestände. Deshalb schätze ich, dass es weltweit über 1.000 Modelle gibt. Hinzu kommen hunderte von Stativköpfen, die mit fast allen Stativen kombinierbar sind.
Dies ergibt theoretisch zehntausende Kombinationsmöglichkeiten.
Ferner wird der Neugierige oft mit Preisen konfrontiert, welche die meisten Interessenten sofort wieder abschrecken.

Dennoch gibt es Wege, die Sie sicher zu Ihrem Ziel führen: ein preiswertes Stativ, mit dem Sie bessere Fotos machen können.
Die möglichen Auswahlkriterien für Stative und somit die Herangehensweise an einen Stativkauf sind mannigfaltig. Ich will Ihnen hier mehrere praxisrelevante Kategorisierungsmöglichkeiten aufzeigen:

Naturstativ

Es gibt unzählige Möglichkeiten, eine Kamera fest und verwacklungssicher zu positionieren.
Ausgangspunkt für eine Auswahl sollte primär der Ort und dann das eigene fotografische Ziel sein:

Unter einem Naturstativ versteht man jeden vorhandenen Gegenstand, auf den man die Kamera halbwegs sicher abstellen kann, ohne dass sie abrutscht und beschädigt wird.

Eigene Hilfsmittel als Stativ nutzen

Kauf eines Stativs

Die Stative zum Kaufen bedienen meist einen großen Nutzer- und Nutzungskreis. D.h. sie sind für zahlreiche Einsatzzwecke geeignet.

Einsatzzweck

Verwendung

Materialien für Stative (common material)

Man kann die Stative auch nach ihrem Hauptmaterial einteilen:

Hinweise

Bitte beachten Sie jedoch, dass die Bezeichnungen wie Stahl, Aluminium, Carbon etc. nur die Hauptbestandteile des Foto-Stativs betreffen. In der Tat sind heute alle Stative umfangreiche Komposite. D.h. bei den meisten Stativen finden sich ferner oft zahlreiche Kunststoffsorten, Stahl-Schrauben und -Spikes in diverser Legierung, Magnesiumteile, Klemmverschlüsse aus diversen Metallen und Kunststoffen an den Beinsegmenten, Gummi an den Füßen, Schaumstoffe / Neopren als Ummantelung und Wärmeschutz etc. Vor allem die Verbindungsteile bestehen bei fast allen Stativen aus anderen Materialien als der jeweilige Grundstoff.

Marktanteile der Stative

Man kann die Stative auch nach ihren Marktanteilen gruppieren.

Die folgenden Zahlen beruhen auf Schätzungen und Erfahrungswerten aus dem deutschsprachigen Raum:

Anzahl der Beine (feet / legs) an einem Stativ

Man kann die Stative auch nach der Anzahl ihrer Beine gruppieren.

Meines Wissens wurde in der über 175-jährigen Geschichte der Fotografie bereits jede Anzahl an Beinen bei Stativen ausprobiert. Durchsetzen konnten sich jedoch nur zwei Systeme.

Abspreizwinkel / Einstellwinkel / Beinanschlagswinkel / Anstellwinkel / Beinanstellwinkel der Stativbeine

Fast alle Stative können die Beine in verschiedenen Winkeln abspreizen. Es kommt jedoch darauf an, wie:

Verschiedene Beinwinkel an Stativen

Schulter / Spider / Stativstern / Hauptplatte / Schenkelkopf / Stativplatte / Stern / Stativschulter / Center-Platte / Center-Plate

Rohrdurchmesser der Stativbeine

Achten Sie auch auf die Rohrdicke der einzelnen Beine und Beinsegmente (Holme).

Wanddicke der Stativbeine

Achten Sie auch auf die Wanddicke der einzelnen Beinsegmente.

Beinauszüge / Beinsegmente der Stative

Verschlüsse / leg locks der Stativbeine

Hierbei ist oft der persönliche Geschmack ausschlaggebend.

Schaumstoff­ummantelungen / Schaumstoff­bewehrungen / Legwarmer / padded legs / Moosgummierte Griffmanschetten an Stativbeinen

Füße / legs der Stativbeine

Beachten Sie die Füße Ihres Stativs genau. Sie bestimmen den sicheren Stand auf dem gewählten Untergrund.

Traglast / load capacity / Maximum Load Capacity / Tragfähigkeit der Stativbeine

Maximale Höhe / maximum size / size / Maximum Height Extension der Stative

Minimale Einstell-Höhe / Minimale Arbeitshöhe / size der Stative

De facto ist keine dieser Positionen für den Fotografen im freien Gelände ohne Schutzplane und auf dem Boden liegend wirklich sehr angenehm.
Aber zumindest erlauben manche Stative so die Pilzfotografie auch der kleinsten Winzlinge am Waldboden.

Mittelsäule / center column der Stative

Viele, aber nicht alle Stative besitzen eine Mittelsäule.

Kurbel / hand crank an Stativen

Die genaue Höheneinstellung des Stativs mittels der Beinsegmente ist zeitaufwändig. Auch die Feststellung einer schraubbaren Schiebe-Mittelsäule (locking collar) mittels einer kragenartigen speziellen Feststellmutter ist etwas umständlich. Deshalb bieten zahlreiche Hersteller Kurbeln (hand crank) an, um die Mittelsäule millimetergenau in der Höhe einzustellen.

Stativschraube / mounting stud

Packmaß / collapsed size der Stative

Diese Angabe in Zentimetern kennzeichnet die minimale Größe, auf die ein Stativ durch Klappen, Schieben, Falten etc. reduziert werden kann.

Gesamtgewicht der Stative

Feststellschrauben

Stativkopf / head type

Unterschätzte Bedeutung der Stativköpfe

Auswahlkriterien für Stativköpfe

Kugelkopf / Kugelgelenkkopf / Ball-Head

Vorteile:

Neutral:

Nachteile:

Videoneiger / Fluidneiger / Pan/Tilt Heads / Fluid Heads

Vorteile:

Neutral:

Nachteile:

Zweiwegeneiger / Two way head

Dreiwegeneiger / Kinoneigekopf / Three way head

Getriebeköpfe / Getriebeneiger / Getriebe-Neigekopf

Panoramakopf

Gimbalköpfe / Kardanköpfe / Wimberley head

Schnellwechsel­platten / SW-Platte / Quick Release Adaptors / Schnellwechsel-Systeme für Stativköpfe

Die meisten Käufer machen sich leider über dieses wichtige Zubehör zum Stativkopf noch weniger Gedanken als über den Kopf selbst.

Investieren Sie deshalb hierfür Zeit. Es lohnt sich.

Zubehör für Stative

Wie überall findet sich auch beim Stativ viel Zubehör, welches den Komfort steigert, aber auch das Gewicht erhöht.

Taschen für die Stative

Zunehmend werden Taschen für Stative angeboten. Sie:

Tragegurt für das Stativ

Zunehmend bieten die Hersteller auch einen Tragegurt für das Stativ an.

Tests der Stative

Bevor man hunderte oder sogar über 1.000 Euro für ein Stativ ausgibt, sollte man sich Testberichte durchlesen. Allerdings gilt auch hier - wie immer - dass man die Testkriterien auf die Anwendbarkeit auf die eigenen Wünsche prüft. Es reicht keinesfalls aus, einfach nur die Gesamtpunktzahl in irgendwelchen Rankings zu beachten.

Hier finden Sie alle Details zu den Tests bei Stativen sowie den zahlreichen Fehlern der Testberichte.

Fazit: Schalten Sie auch hier Ihr Gehirn ein und denken Sie genau nach, ob die getroffenen Aussagen und Urteile zutreffen können, und wenn ja, ob sie für Sie und Ihre Einsatzzwecke relevant sind.

Keine Kaufkriterien für Stative

Die folgenden oft zu hörenden Argumente sollten für ein Stativ nicht kaufentscheidend sein:

Preis des Stativs

Auf Vorrat kaufen

Herkunft des Stativs / Nationale Aspekte / Markenprodukte

Marketing-Sprüche der Stativ-Hersteller und Stativ-Händler

Lassen Sie sich von den zahlreichen Marketing-Sprüchen der Hersteller nicht blenden. Hier einige ketzerische Anmerkungen zu in den letzten Jahren tatsächlich nachweisbaren Beschreibungen für Stative:

Alle Formulierungen, die ich im Übrigens bei einer breit angelegten Marktforschungsstudie aller Hersteller ab Mitte 2013 fand, klingen sicherlich schön. - Haben Sie Nachsicht mit jenen Marketing-Spezialisten. Sie können oft mit der Sprache umgehen, sind von Fotofachwissen jedoch meist völlig unbelastet. Folglich haben derartige Faktoren auf die für die Praxis der Fotografie wichtigen Punkte keinen positiven Einfluss.

Kauf-Tipps für Stative

Meine Empfehlungen für Stative

Nutzen Sie zuerst einmal die sogenannten Naturstative konsequent aus.

Leihen Sie sich vielleicht im Freundes- oder Bekanntenkreis zuerst einmal ein Stativ aus, um dessen Eigenschaften (Vorteile und Grenzen) für Ihre Kamera und Ihren Einsatzzweck zu testen.

Von reinem Gebrauchtkauf bei Ebay etc. rate ich Anfängern ab.

Schaffen Sie sich lieber mehrere preiswerte, unterschiedliche Stative an, die dann für jeden Einsatzzweck optimiert sind, als dass Sie viel Geld für ein einziges, sündhaft teures Stativ ausgeben, das dann dennoch nicht alle Wünsche erfüllen kann. - Es existiert nämlich kein Stativ, das alles kann.

Band-Stativ

Mein Band-Stativ. Aufgrund der Maße von 10*7*3 cm und des geringen Gewichts von nur 150 Gramm kann man es immer mitnehmen.
Wenn Sie genau hinsehen, dann erkennen Sie den Verschluss sowie die Schraube mit Kontermutter für die Befestigung an der Kamera.

Ich besitze insgesamt fünf Stative für unterschiedliche Einsatzzwecke:

Gebrauchs­anleitung für Stative

Der Aufbau des Stativs

Die Bedienung des Stativs

Der Abbau des Stativs

Bildstabilisierung

Es ist bis heute umstritten, ob man die Bildstabilisierung im Objektiv oder der Kamera auf dem Stativ ausschalten soll, oder nicht.

Kein Stativ / Nachteile

Leider erbringt ein Stativ - gleichgültig wie stabil, teuer es ist, oder aus welchem Material es besteht - nicht immer eine Bildverbesserung. In folgenden Situationen sollten Sie besser auf die Verwendung eines Stativs verzichten.

In diesen Fällen kann es sinnvoller sein, frei stehend aus der Hand zu fotografieren bzw. zu filmen, da der menschliche Körper - in seiner Gesamtlänge von den Füßen bis zu den Händen - extrem viele Schwingungen filtern bzw. ausgleichen kann.
Lehnen Sie sich in solchen Situationen aber niemals mit dem Rücken an eine ebenfalls vibrierende Wand / Brüstung etc. Deshalb verbietet sich auch das Abstützen der Arme / Ellbogen an vibrierenden Brüstungen, Gittern, Absperrungen etc.

Eine weitere Hilfe für manche Aufnahmesituationen, die unter umgebungsbedingten Vibrationen leiden, kann eine zusätzliche Styroporplatte (preiswert aus dem Baumarkt) als Unterlage sein. Sie filtert erstaunlich viele Vibrationen. Man kann sie unter das Einbeinstativ und/oder unter die eigenen Füße platzieren.
Bei Dreibeinstativen leidet dadurch jedoch die Stabilität und Standfestigkeit, sodass man vorsichtig damit umgehen muss.

Filme, Konfiguratoren zu Stativen

Tests

Hier finden Sie einige Testberichte zu Stativen:

Weitere eigene Artikel zu Stativen

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