Hitze und Kälte

vg

Dieser Artikel behandelt die Umwelteinflüsse auf die moderne Kameratechnik, wobei es sich in unseren Breiten hauptsächlich um Hitze und Kälteeinflüsse sowie die damit in Zusammenhang stehende Kondensation handelt. Einerseits werden die tatsächlich relativ engen technischen Rahmen aufgeführt und erklärt, andererseits auch die oft vorzufindende Panikmache durch relevante Praxisbeispiele in die Grenzen verwiesen.

Ein Inhaltsverzeichnis mit direkten Sprungmarken und Überblick über alle bei Hitze und Kälte behandelten Themenbereiche finden Sie als Pop-Up.

Panikmache

Überall kann man lesen und hören, wie empfindlich die moderne Elektronik sei, und wie gefährlich es wäre, eine Kamera der Hitze und Kälte auszusetzen.

Grundlagen

Bei der Diskussion der Wärmephänomene werden in der Fotografie oft drei grundlegende Dinge vermischt:

  1. Hitzeprobleme: Was passiert mit der Kamera bei großer Hitze, und wie kann man sich behelfen?
  2. Kälteprobleme: Welche Störungen treten bei großer Kälte auf, und wie kann man sie lösen?
  3. Temperaturschwankungen, Übergänge von warm zu kalt und von kalt zu warm: Wie wirkt sich hierbei die Luftfeuchtigkeit aus? Wann kommt es zur Kondensation? Wie kann man sie vermeiden?

Für eine wissenschaftlich präzise Beantwortung muss man diese drei Szenarien klar trennen. Nur so kann man sinnvolle Aussagen machen und Tipps für die Fotopraxis geben bzw. selbst Rückschlüsse ziehen.

Welche Fakten lassen sich nun rund um die Wärmephänomene an Kameras finden und welche Schlüsse daraus für die Fotopraxis ziehen?

Materialien

Recht

Die technischen Spezifikationen moderner Kameras sind für den Betrieb im Fotoalltag erstaunlich eng:

Her­stellerMo­delleMindest­tempe­ratur der LuftMax­imal­tempe­ratur der LuftLuft­feuch­tigkeit
Canon1D X und Mark II0 ° Celsius45 ° Celsiuskleiner 85%
Canon5DIII und Mark IV0 ° Celsius40 ° Celsiuskleiner 85%
NikonD5, D4, D4s, D800 / E / 8100 ° Celsius40 ° Celsiuskleiner 85%, keine Konden­sation
PentaxK5II, K-1-10 ° Celsius40 ° Celsiuskeine hohe Luft- Feuchtigkeit
SonyA99, A7, A7R, A7S und jeweils Mark II0 ° Celsius40 ° Celsiuskleiner 85%

Hierbei handelt es sich um die zulässigen Betriebstemperaturen (im eingeschalteten Zustand der Kamera) - nicht um die erlaubten Lagertemperaturen (im ausgeschalteten Zustand der Kamera), die meist deutlich größere Temperaturspielräume bieten.

Kamera

Welche Wärmephänomene betreffen das Kameragehäuse, den Body?

Hitze

Sensor und Prozessor

Die Hitze, die aus dem Innern kommt.

Sonneneinstrahlung

Hitze aus der Umgebung.

Praxis-Tipps

Vermeidung des Erhitzens der Kamera

Gegenlichtaufnahmen

Gegen die Sonne fotografieren:

Was geht?

Dinge, die man mit der Kamera bei Hitze durchführen kann:

Der Mensch als schwächstes Glied in der fotografischen Produktionskette bei Hitze

Kälte

Bei Kälte sind die Einflüsse auf die Kamera hingegen für die Fotopraxis umfangreicher.

In der Regel lassen sich Kälteprobleme in drei Kategorien einteilen:

  1. Mechanische Einschränkungen bei Kälte - inklusive Schmiermittel
  2. Probleme rund um LDCs
  3. Stromversorgung: Batterien, Akkus (siehe eigenes Kapitel Akkus unten)

Generell

Regelmäßig, d.h. bei vielen oder fast allen Kameras sind folgende Kälte-Phänomene zu finden:

1. Mechanik

2. LCDs

Aufgrund der Charakteristik von LCDs können sich zahlreiche negative Einflüsse bei Flüssigkristallanzeigen ergeben:

Seltene Probleme

Selten, d.h. bei einigen Kameras, wurden folgende Kälte-Phänomene nachgewiesen:

Schutzmaßnahmen gegen Kälte

Wärme geht auf 3 Wegen verloren:

  1. Direkte Wärmeleitung durch direkten und vor allem längeren Kontakt mit anderen Stoffen. Insbesondere Metalle leiten Wärme schnell ab.
  2. Bei der Konvektion wird die Wärme über strömende Gase (also auch Luft) transportiert.
  3. Bei der Wärmestrahlung erfolgt die Auskühlung durch die von jedem Körper ausgesandte Infrarotstrahlung.

Generell ist es deshalb sinnvoll, die Kamera und Ausrüstung in der Kälte warm zu halten.

Wasser, Schnee und Eis entfernen

Fall - trotz aller Vorsicht - Wasser, Schnee oder Eis an die Ausrüstung gelangt:

Vorteile der Kälte

Kälteeinsätze in der Praxis

Der Mensch als schwächstes Glied in der fotografischen Produktionskette bei Kälte

Luftfeuchtigkeit

Erstaunlicher Weise halten die meisten Fotografen Hitze und Kälte für die gravierendsten Probleme der Fotografie. Dabei ist das größte Problem die Luftfeuchtigkeit.

In der Fotografie geraten zum Thema Temperatur und Luftfeuchtigkeit fast immer die folgenden drei Szenarien durcheinander:

  1. Was geschieht, wenn man mit einer Kamera von der Wärme in die Kälte geht?
    Bei einer trockenen Kamera: Nichts, da die Luftfeuchtigkeit in kalter Luft meist sehr gering ist. Deshalb findet sich auch kaum Kondensation. Die einzige Ausnahme ist, dass man aus dem warmen Raum bereits Nässe in der Ausrüstung mitbringt. Dann kann sie anfrieren.
  2. Welche Phänomene treten auf, wenn man in der Kälte fotografiert?
    Vieles, siehe oben den Abschnitt Kälte. Aber es tritt meist keine Kondensation ein.
  3. Was passiert, wenn man mit einer Kamera von der Kälte in die Wärme geht?
    Sehr vieles. Hier kommt es fast immer zur Kondensation, siehe die folgenden Details.

Fakten

Sommer

Winter

Von der Kälte in die Wärme

Um Kondensation zu vermeiden sollte man einige Dinge beachten:

Tropen

Zur extremen Herausforderung kann die Kondensation in den Tropen werden:

Gefahren

Die Folgen der Kondensation innerhalb der Fotoausrüstung werden unterschätzt:

Praxistipps

Beruhigung

Fazit Kamera

Akkus / Batterien

Vor allem im Zusammenhang mit Kälte verursachen Batterien und Akkus immer wieder Probleme. Allerdings werden hierbei auch viele schlechte Erfahrungen mit alter Technik über Jahrzehnte falsch kolportiert, welche auf die neuen Akkus und Batterien kaum mehr zutreffen.

Grundlagen zu Akkus und Batterien

Einsatzbereiche der Foto-Akkus

Leistungsangaben der Hersteller

Her­stel­lerModellFotos bei 23 GradFotos bei 0 GradReihen­auf­nah­men bei 23 Grad
Canon1D X Sucher1.120860
(-23%)
k.A.
Canon1D X Live-View290250
(-14%)
k.A.
Canon1D X Video2 h 10 min2 h
(-8%)
k.A.
Canon5DIII Sucher950850
(-11%)
k.A.
Canon5DIII Live-View200180
(-10%)
k.A.
Canon5DIII Video1 h 30 min1 h 20 min
(-12%)
k.A.
NikonD4 Sucherca. 2.600k.A.ca. 5.500
NikonD4s Sucherca. 3.020k.A.ca. 5.960
NikonD4s Video55 Minu­ten bei Full HD 1080 / 60pk.A.ca. 5.960
NikonD800 / E mit ein­fachem Akku900k.A.ca. 2.400
NikonD810 mit ein­fachem Akku1.200k.A.ca. 3.860
NikonD810 Video40 min.k.A.-
PentaxK5IIca. 980 Bilder bei 23 Grad810
(-17%)
k.A.
SonyA99 im LCD-Modusca. 500 Bilder bei 25 Gradk.A.k.A.
SonyA99 im Sucher­modusca. 410 Bilder bei 25 Gradk.A.k.A.

Die Werte werden meist bei 23 Grad Celsius angegeben, wobei der CIPA-Standard 23 +- 3 Grad vorsieht. D.h. jeder Hersteller hat etwas Spielraum, den manche Hersteller auch zu ihrem Vorteil ausnutzen.

Die Werte für die A7 sind aufgrund ihres kleinen Akkus so gering, dass sie mit rund 100 hier nicht einzeln gelistet werden.

Cannon macht keine Angaben im Handbuch zu der Anzahl der Serienbilder. Mir gelangen an einem Abend rund 7.000 Fotos mit Serienbildfunktion bei einer langen Sportveranstaltung, wobei der Akku noch nicht einmal die Hälfte seiner Leistung verbrauchte.

Die Praxiswerte weichen von diesen nach internationalen Standards (CIPA Camera & Imaging Products Association testing standards) gemessenen Werten oft deutlich ab. Insgesamt halte ich die reinen Labor-Werte der Anzahl der möglichen Fotos bei Canon in der Praxis für untertrieben, die von Nikon für etwas übertrieben. Das liegt jedoch sicherlich auch am eher seltenen Einsatz von Live-View, der kurzen Displayzeit sowie dem Abschalten aller zusätzlichen für die Fotografie nicht relevanten optischen sowie akustischen Signale und Funktionen. - Wie dem auch sei, alle Werte aller Kameras reichen für die alltägliche Fotopraxis aus. Denn jeder ambitionierte Fotograf besitzt sowieso mindestens einen Ersatz-Akku.

Probleme und Lösungen

Für die praktische Fotografie betreffen Akku-/Batterie-Probleme fast ausschließlich tiefe Temperaturen. Dann sinkt deren Leistung deutlich ab. Als Folge finden sich zahlreiche Ratschläge, die in zwei Richtungen zielen:

  1. Reduktion des Stromverbrauches. Die Energieeinsparung führt zu einer Schonung des Akkus.
  2. Erhöhung der Temperatur, um sich dem effizientesten Temperaturbereich von 23 Grad Celsius wieder anzunähern.

1. Stromverbrauch reduzieren

2. Erhöhung der Temperatur

Weitere Akku-Probleme

Tipps

Lagerung des Akkus

Ladegeräte für Akkus

Auch das Laden und Entladen unterliegt oft verkannten technischen Rahmenbedingungen.

Die Qual der Wahl

Das Angebot an Akkus und Ladegeräten ist unüberschaubar geworden.

Externe Stromversorgung

Bei extremer Kälte kann eine externe Stromquelle (außerhalb der Kamera) hilfreich sein.

Fazit

Speicherkarten / Speicherchips

Objektive

Abgesehen von den oben bereits in den Kapiteln Kamera: Hitze, Kälte und Luftfeuchtigkeit beschriebenen Phänomenen kann es zu folgenden temperaturbezogenen Problemen an Objektiven kommen:

Blitzgeräte

Eingebaute Blitzgeräte in der Kamera

Externe System-Blitzgeräte

Die analoge Zeit

Die angeblich so gute alte Zeit war für die fotografische Praxis bei weitem nicht so gut, wie sie in manchen romantisierten Retrospektiven erscheinen mag.

Hinweis

Alle hier genannten Produkte wurden aufgrund ihrer Qualität aufgeführt. Insbesondere die aufgelisteten digitalen Kameras der Hersteller wurden gewählt, da es sich um deren Spitzenprodukte handelt. Es geht hier nicht darum, ein Produkt herabzusetzen oder Argumente für das in Foren übliche Herziehen über Modelle und Hersteller zu unterstützen. Ganz im Gegenteil werden hier nur allgemeine physikalische Symptome beschrieben, welche - cum grano salis - alle Modelle und Hersteller betreffen. Es darf sogar mit Recht vermutet werden, dass preiswertere Modelle aller Hersteller eher unter den hier beschriebenen Nachteilen leiden.

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