Empfang des Kurfürsten Friedrich des Weisen von Sachsen im Inselgarten durch Kaiser Maximilian I. und Kaiserin Maria Bianca, während des Konstanzer Reichstages 1507

vg
Lage des Gemäldes im Kreuzgang

Bilddaten

Das 12. Gemälde zur Geschichte der Insel in Konstanz besteht aus einem vierteiligen Panorama, das einen großen Teil der Ost-Wand des Kreuzganges bedeckt.

Hier wurden die beiden linken Bildbögen beim Umbau ab 1963 zerstört und die rechte 3. und 4. Bildbögen im unteren Teil schwer beschädigt. 1977 wurden die beschädigten Teile von Carolus Vocke neu gemalt.

Empfang des Kurfürsten Friedrich des Weisen

Empfang des Kurfürsten Friedrich des Weisen von Sachsen im Inselgarten durch Kaiser Maximilian I. und Kaiserin Maria Bianca, während des Konstanzer Reichstages 1507, Zustand 2014.

Empfang des Kurfürsten Friedrich des Weisen

Empfang des Kurfürsten Friedrich des Weisen von Sachsen im Inselgarten durch Kaiser Maximilian I. und Kaiserin Maria Bianca, während des Konstanzer Reichstages 1507, Original-Zustand um 1895 fotografiert.

In alten Fotodrucken (ähnlich dem unteren Foto) fehlt der erste Bogen (links). Er galt allen früheren Fotografen als unbedeutend. Das Panorama-Foto besteht dort abbildungstechnisch folglich nur aus drei Bildern.

Insgesamt wird in den Einzelbildern die Pracht des Hoflebens in der Renaissance gezeigt. Es erinnert etwas an die Abbilder des Hoflebens bei Karl dem Großen.

Bildbeschreibung 1. (linker) Bogen

Empfang des Kurfürsten Friedrich des Weisen

1. linker Bogen: Empfang des Kurfürsten Friedrich des Weisen von Sachsen im Inselgarten durch Kaiser Maximilian I. und Kaiserin Maria Bianca, während des Konstanzer Reichstages 1507, Zustand 2014.

Bildbeschreibung 2. (linker Mittel-) Bogen

Empfang des Kurfürsten Friedrich des Weisen

2. mittlerer linker Bogen: Empfang des Kurfürsten Friedrich des Weisen von Sachsen im Inselgarten durch Kaiser Maximilian I. und Kaiserin Maria Bianca, während des Konstanzer Reichstages 1507, Zustand 2014.

Empfang des Kurfürsten Friedrich des Weisen

2. mittlerer linker Bogen: Empfang des Kurfürsten Friedrich des Weisen von Sachsen im Inselgarten durch Kaiser Maximilian I. und Kaiserin Maria Bianca, während des Konstanzer Reichstages 1507, Original-Zustand um 1895 fotografiert.

Bildbeschreibung 3. (rechter Mittel-) Bogen

Empfang des Kurfürsten Friedrich des Weisen

3. mittlerer rechter Bogen: Empfang des Kurfürsten Friedrich des Weisen von Sachsen im Inselgarten durch Kaiser Maximilian I. und Kaiserin Maria Bianca, während des Konstanzer Reichstages 1507, Zustand 2014.

Empfang des Kurfürsten Friedrich des Weisen

3. mittlerer rechter Bogen: Empfang des Kurfürsten Friedrich des Weisen von Sachsen im Inselgarten durch Kaiser Maximilian I. und Kaiserin Maria Bianca, während des Konstanzer Reichstages 1507, Original-Zustand um 1895 fotografiert.

Bildbeschreibung 4. (rechter) Bogen

Empfang des Kurfürsten Friedrich des Weisen

4. rechter Bogen: Empfang des Kurfürsten Friedrich des Weisen von Sachsen im Inselgarten durch Kaiser Maximilian I. und Kaiserin Maria Bianca, während des Konstanzer Reichstages 1507, Zustand 2014.

Empfang des Kurfürsten Friedrich des Weisen

4. rechter Bogen: Empfang des Kurfürsten Friedrich des Weisen von Sachsen im Inselgarten durch Kaiser Maximilian I. und Kaiserin Maria Bianca, während des Konstanzer Reichstages 1507, Original-Zustand um 1895 fotografiert.

Geschichtsfakten

Im Streit des habsburgischen Maximilian 2  mit dem französischen König Ludwig XII. um die römische Kaiserkrone musste sich Maximilian I., angesichts seiner zahlreichen Feinde, mit den Reichsständen beraten. Neben vielen weiteren Problemen im Reich (z.B. Reichskammergericht und Kleiderordnung = Luxusordnung) zog der Reichstag 1507 in Konstanz deshalb zahlreiche wichtige weltliche wie geistliche Herrscher an. Auch viele Reichsstädte schickten Gesandte. Konstanz wurde ausgewählt, weil Maximilian seit langem große Probleme mit den unabhängigen und sehr kriegerischen Schweizern hatte und sie für seinen Romfeldzug benötigte, und weil Konstanz sowieso auf seinem Weg nach Süden (nach Rom) lag. - Für Konstanz war der Reichstag in vieler Hinsicht von Nachteil. Er war bereits durch die große Zahl an Adligen und Soldaten eine kaiserliche Machtdemonstration gegenüber einer freien Reichsstadt, die damals mit den Eidgenossen liebäugelte. Der Hintergrund war, dass Konstanz sich in seiner städtischen Außenpolitik über Jahrzehnte nicht klar für eine Seite entscheiden wollte, sondern zwischen dem Reich mit Kaiser, dem schwäbischen Bund und den Eidgenossen schwankte. Letztendlich wurde Konstanz kurz darauf (1510) gezwungen, ein Bündnis mit Österreich einzugehen und seine Ratsverfassung abzuändern, sodass man weitgehend abhängig wurde. 3  Der Kaiser hinterließ ferner - wie so oft - ein "umfangreiche[s] Schuldenregister" 4 

Fast alle Gäste erschienen verspätet zum Reichstag, der eigentlich am 7. März 1507 beginnen sollte. König Maximilian kam z.B. erst am 27. April an. - Im Zusammenhang mit diesem Reichstag soll es zu jenem Treffen im "Inselgarten" 5  gekommen sein. Der Quellentext lautet jedoch "... in einen Garten der Prediger-Mönche, nicht weit von der Stadt...". 6  Die Auslegung durch Zeppelin, dass der Garten zwangsläufig auf der kleinen Insel gewesen sein soll, ist sehr einseitig. Diese Insel lag schließlich direkt an der Stadtmauer und wurde, sogar gemäß Zeppelin, in alten Quellen immer als "im Rhyn gelegen" bezeichnet. Ferner besaßen alle Klöster (meist durch Schenkungen) erhebliche Ländereien außerhalb der Stadt Konstanz. Bereits im 15. Jahrhundert wird ein Gut der Dominikaner an der heutige Seestraße erwähnt. "Schon im 13. Jahrhundert hatte das Kloster ein Nebenhaus in Wyl, das als Gasthaus und Absteigequartier seiner auf Bettel reisenden Mitglieder diente." 7 

Da der Bischof in Meersburg residierte, wohnte Maximilian in der Bischofspfalz. Zeppelin bezog sich auf Marmor, der von Maximilian berichtet, dass dieser "einen eigenen Gang über den kleinen Rheinarm bauen ließ, um in den Predigergarten und die Kirche zu gelangen" 8 . Das mag zwar sein, hat jedoch nichts mit den angeblichen Feierlichkeiten im Inselgarten zu tun. - Er fügt auch hier nur geschickt viele Dinge vage aneinander - in der Hoffnung, dass sie beim Publikum etwas in seinem Sinne bewirken. Und dann schließt er ohne Beleg an: "In diesem Garten war es auch, wo die Königin ... einen festlichen Empfang bereitete" 9 . Geschickt werden so zwei, bereits durch den Namen, unterschiedliche Gärten miteinander gleichgesetzt. - Dafür lässt er andere relevante Fakten entfallen: So weist Zeppelin in seinen Schriften über das Inselhotel nicht darauf hin, dass die auf der Insel bis heute vorhandene große Gartenanlage erst im späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert aufgeschüttet worden war. Dieser Garten konnte somit um 1500 nicht gemeint gewesen sein. 10  Gemäß zeitgenössischen Abbildungen war die Insel damals deutlich kleiner. Der auf alten Abbildungen teilweise zu sehende kleinere Garten im Süden der Insel war ein Friedhof. 11  Dort konnte man unmöglich einen Empfang durchführen. Der Innenhof des Kreuzganges war und ist sehr klein für solch einen Empfang. Bliebe noch der teilweise im Norden eingezeichnete Garten, der jedoch auch kaum größer war. Bereits deshalb fanden fast alle vergnüglichen Veranstaltungen im Freien vor der Stadt statt, insbesondere auf dem großen Brühl, einer Wiese westlich der damaligen Stadttore im heutigen Paradies, die sowieso der alte Festplatz der Stadt Konstanz war. 12  Alle Sitzungen zum Reichstag fanden hingegen ab dem 30. April 1507 in der Zunftstube der Kaufleute zum Thurgau statt - dem heutigen Ratssaal im Rathaus. 13 

Auch seine Behauptung, dass die Kaisergemahlin Bianca Maria zwei Jahre auf der Insel gewohnt hätte, 14  belegt er nicht. Sein Vorgehen ist typisch: Er stellt es wie eine allgemein bekannte Tatsache hin, die keinen Beleg erfordere. "Die Königin nahm Wohnung im Predigerkloster" und fügt sofort werbewirksam hinzu: "dem jetzigen Insel-Hotel." 15  Aber diese Grundlage benötigt er, damit die Königin die Gäste des Reichstages zu sich in ihren Inselgarten einladen konnte. Dennoch ist dies weder logisch schlüssig noch zwangsläufig.

Wie beim ersten Kaiserbesuch, lässt Zeppelin ohne historische Belege in epischer Breite von fast 12 Metern seine Insel in den Vordergrund stellen. Auch dieser Kaiser kam zu ihm, womit seine kontinuierliche Nähe zum deutschen Kaiserhaus demonstriert wird. Hier kam noch der religiöse Aspekt hinzu, dass angeblich sogar Friedrich der Weise, als Beschützer des Reformators Luther anwesend war und somit Verbindungen zum Haus Zeppelin hatte. In Vorwegnahme des Hotels kümmerten sich die Mönche erneut flink und fleißig um die luxuriöse Verköstigung der Gäste, denen die Feierlichkeiten sichtlich gefallen. Ein Werbeprospekt könnte kaum besser gestaltet sein.

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Hier geht es zum 13. geschichtlichen Ereignis auf der Insel - Das Inselkloster als Spital. 1536

1 Zeppelin, Der Reichstag in Konstanz im Jahre 1507, S. 39: "... - viele hatten eigene Musikbanden, ihre Hofnarren, Trabanten usw. ...". Tatsächlich brachte Maximilian damals die königliche Hofkantorei (Musik) mit.

2 Allgemein zu Kaiser Maximilian I. siehe: Wiesflecker, Maximilian I., die Fundamente des habsburgischen Weltreiches; Buchner, Maximilian I., Kaiser an der Zeitenwende; Dericum, Maximilian I., Kaiser im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.

3 Feger, Konstanz, Aus der Vergangenheit einer alten Stadt, S. 60.
Zum Besuch Maximilians in Konstanz siehe besonders: Maurer, Konstanz im Mittelalter II, S. 261ff. Der Konstanzer Reichstag König Maximilians 1507.
Man kann Maximilians Besuch auch positiv sehen. So interpretiert Maurer, Konstanz im Mittelalter II, S. 261: Maximilian wollte der Stadt Konstanz durch den Reichstag zu einem wirtschaftlichen Aufschwung verhelfen. Dazu passen jedoch seine hinterlassenen Schulden nicht.

4 Feger, Konstanz, Aus der Vergangenheit einer alten Stadt, S. 59.

5 Zeppelin, Über die historischen Fresken von Professor Karl Häberlin im Kreuzgang des Inselhotels in Konstanz, S. 19. Im Original ist das Wort sogar gesperrt gedruckt.

6 Fritz Schicker, der Schreiber des Kurfürsten, Zitiert nach Zeppelin, Über die historischen Fresken von Professor Karl Häberlin im Kreuzgang des Inselhotels in Konstanz, S. 19.

7 Marmor, J, Beitrag zur Geschichte des Dominikaner- oder Predigerklosters auf der Insel, in, Konstanzer Zeitung, 10.09.1873.
Marmor, Geschichtliche Topographie der Stadt Konstanz und ihrer nächsten Umgebung, S. 374, weist ferner auf eine Dominikanertorkel in Hinterhausen gelegen (in der Nähe des heutigen Jakobsbades). Dort gab es auch ein "Dominikanergute", das 1466 erwähnt wird. - Auch dies war Zeppelin bekannt.

8 Zeppelin, Über das Dominikanerkloster in Konstanz, S. 23f.
Marmor, Geschichtliche Topographie der Stadt Konstanz und ihrer nächsten Umgebung, S. 32. 1507 ließ Maximilian einen Gang für 400 Gulden erbauen, die er angeblich auch bezahlt hat. Von dem Besuch der Kirche schreibt Marmor jedoch nichts
Maximilian ließ einen weiteren Gang von der rechten Seite der Pfalzkapelle St. Peter zum südlichen Klostergarten anlegen. Siehe hierzu Maurer S. 261. Dies lag vermutlich nur an seinem Wohnsitz Bischofspfalz und dem seiner Frau im Inselkloster. Über die andere Brücke war ihm der Weg vermutlich zu weit und in der Nacht sowieso abgesperrt. Das Wegerecht durch die Niederburg bezog sich nämlich nur auf die Tageszeit! Siehe hierzu die Inschrift (Foto) auf dem alten Haus in der Niederburg.
So wie der Gang / die Brücke beschrieben wird, führte sie auf den Friedhof der Dominikaner im Süden der Insel.

9 Zeppelin, Der Reichstag in Konstanz im Jahre 1507, S. 40.

10 Siehe zur neuen Gartenanlage z.B. den Plan aus dem Jahre 1873. Ferner findet sich eine Aufnahme des neu angelegten Gartens im Sommer 1877 in Klöckler, Konstanz in frühen Bildern, S. 77.

11 Für diesen Hinweis bedanke ich mich bei Herrn Gernot Blechner. Blechner, Stadtforschung, Wo die Konstanzer ihre Toten begruben, S. 263f.

12 Zeppelin, Der Reichstag in Konstanz im Jahre 1507, S. 42f. Ebenso: Feger, Konstanz, Aus der Vergangenheit einer alten Stadt, S. 55.

13 Maurer, Konstanz im Mittelalter II, S. 264.
Siehe hierzu u.a. Hofmann und Hofmann, Konstanz, alte Stadt in alten Bildern, S. 182. Sie bezeichnen es jedoch als Haus zur Salzscheibe unter den Säulen, das Zunfthaus der Leinenweber und Krämer.

14 Zeppelin, Der Reichstag in Konstanz im Jahre 1507, S. 40. Ebenso: Zeppelin, Über die historischen Fresken von Professor Karl Häberlin im Kreuzgang des Inselhotels in Konstanz, S. 19. Dass die Königin angeblich bis 1509 in Konstanz blieb (Maurer, Konstanz im Mittelalter II, S. 266), bedeutet nicht zwangsläufig, dass sie ständig auf der Insel wohnte.
Anders hingegen Marmor, Geschichtliche Topographie der Stadt Konstanz und ihrer nächsten Umgebung, S. 297. Maximilian wohnte in der Bischofspfalz: "Im Jahre 1506 beherbergte die Pfalz den römischen König Maximilian mit seiner Gemahlin, einer Herzogin von Mailand,..." Die Kaiserin blieb noch zwei Jahre in Konstanz, wobei sie nach Schulthaiss, Collectaneen, Band 2, S.224 1/2, Ihre Schulden danach nur in Raten abbezahlte.

15 Beide Zitate: Zeppelin, Der Reichstag in Konstanz im Jahre 1507, S. 40.
Und noch trickreicher bezieht er sich in seinem späteren Artikel (Zeppelin, Über die historischen Fresken von Professor Karl Häberlin im Kreuzgang des Inselhotels in Konstanz, S. 19, Fußnote 4.) als vermeintlichen Beleg dann auf diesen Aufsatz, der auch nichts beweist und noch nicht einmal Fußnoten besitzt.

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