Kampf zwischen den Bischöfen Gebhard III. von Zähringen und Arnold von Heiligenberg

vg
Lage des Gemäldes im Kreuzgang

Bilddaten

Das fünfte historische Gemälde zur Geschichte der Insel in Konstanz besteht aus einem Panorama aus zwei bzw. drei Bögen. Der rechte Teil wurde bereits damals über dem vorhanden gotischen Durchgang gemalt. Weitere Wappen der beiden Kontrahenten befinden sich - direkt um die Ecke - auf der Nordwand über dem dortigen gotischen Spitzportal, sodass man eigentlich von einem Zyklus aus drei Bögen sprechen kann.

Kampf zwischen den Bischöfen

Panorama: Kampf zwischen den Bischöfen Gebhard III. von Zähringen und Arnold von Heiligenberg, Zustand 2014.

Bildbeschreibung

1. Bogen ganz links

Kampf zwischen den Bischöfen

1. Bogen: Kampf zwischen den Bischöfen Gebhard III. von Zähringen und Arnold von Heiligenberg, Zustand 2014.

Kampf zwischen den Bischöfen

1. Bogen: Kampf zwischen den Bischöfen Gebhard III. von Zähringen und Arnold von Heiligenberg, um 1900.

2. Bogen rechts über der Tür

Kampf zwischen den Bischöfen

2. Bogen: Kampf zwischen den Bischöfen Gebhard III. von Zähringen und Arnold von Heiligenberg, Zustand 2014.

Kampf zwischen den Bischöfen

2. Bogen: Kampf zwischen den Bischöfen Gebhard III. von Zähringen und Arnold von Heiligenberg, um 1900.

3. Bogen um die Ecke auf der Nordwand über und rechts neben der Tür

Kampf zwischen den Bischöfen

3. Bogen: Kampf zwischen den Bischöfen Gebhard III. von Zähringen und Arnold von Heiligenberg, Zustand 2014.

Kampf zwischen den Bischöfen
Kampf zwischen den Bischöfen

3. Bogen: linkes und rechtes Feld, Zustand 2014.
Links: Das Wappen Herzog Bertholds von Zähringen
Rechts: Das heute nicht mehr erkennbare Wappen des Frater Johannes de Ravenspurg.

Kampf zwischen den Bischöfen

3. Bogen: oberer Bogen mit den drei Wappen, Zustand 2014.
Links das Wappen Gebhards III. von Zähringen
Mitte: Das Wappen des Bistums Konstanz.
Rechts: Das Wappen Arnolds von Heiligenberg.

Geschichtsfakten

Investiturstreit

1102 fand im Zuge des Investiturstreites zwischen Kaisertum und Papsttum über die Frage, wer Bischöfe einsetzen durfte, die damals neben der geistlichen auch weltliche Macht besaßen, ein Kampf zwischen den Anhängern Kaiser Heinrich II. und den päpstlichen Gegnern statt - aber vermutlich nicht auf der Insel.

Kaiser Heinrich IV. erhob Ostern 1092 Arnold von Heiligenberg (im Falle eines Ladefehlers mit Strg+R wiederholen) zum neuen Bischof von Konstanz. Gewaltsam ergriff dieser gegen den auf der Seite des Papst Gregors stehenden Bischof Gebhard III. von Zähringen in Konstanz die Macht. Die Konstanzer Bürger kämpften hierbei auf Seiten des päpstlichen Gebhard. Die beiden adligen Geschlechter waren in etwa gleich mächtig: Die Stauferherzöge von Heiligenberg standen auf Seiten des Kaisers, die Herzöge von Zähringen auf der Seite des Papstes. Dies führte zu mehreren Kämpfen mit dem Kloster St. Gallen, wobei die Konstanzer letztendlich unterlagen. Bischof Arnold konnte dennoch seine Macht nicht ausüben. 1  Letztendlich kam es erst mit dem Kompromissfrieden zu Worms von 1122 zu einer Beruhigung der Situation zwischen Kaiser und Papst.

Die Inselfestung

Plan der vermuteten Inselfestung:

Kampf zwischen den Bischöfen

Foto des Planes von Alfons Beck aus dem Jahre 1965, Stadtarchiv Konstanz. Dieser Plan ist auch abgedruckt bei Maurer, Konstanz im Mittelalter, S. 91.

Der größte Verfechter der Inselfestung war Alfons Beck 2  ein Schullehrer, der sich in seiner Freizeit als Hobbyarchäologe betätigte.

Manche Details scheinen dafür zu sprechen:

Bei den Details wird es jedoch schwierig:

Die Quellenlage

Ob Gebhard III. sich wirklich auf der Insel verschanzte, bleibt unklar. Eberhard Graf Zeppelin und Häberlin berufen sich hier auf eine Angabe des Stadt-Historikers Marmor (1860). Ferner beruft sich Zeppelin diesbezüglich auf die Petershauser Chronik, welche in seiner Auslegung behauptete, dass sich der gregorianische Bischof Gebhard auf der Insel verschanzt hätte.

Die lateinische Chronik bietet jedoch sehr wenig Inhalt:

Es findet sich kein Hinweis zu einem Angriff auf die Insel oder einem Kampf auf einer Brücke. Der Stadtteil Petershausen scheint 1102 belagert oder in die Hände Heinrichs von Heiligenberg gefallen zu sein. Er war der Bruder des kaisertreuen Bischofs Arnold. Die Anhänger Bischof Gebhards wechselten jedoch eher aufgrund von Bestechung die Seiten. Es wird keine Schlacht etc. beschrieben. Ganz im Gegenteil berichtet die Quelle davon, dass Gebhard in die Verbannung auswich:

Quellenanalyse

Gegenargumente

Fazit

Abschließend bleibt die Möglichkeit einer irgendwie gearteten befestigten Anlage auf der Konstanzer Insel bestehen. Aber die bisher vorgebrachten Belege reichen dafür nicht als hieb- und stichfeste Beweise aus. Seriös kann man nur festhalten, dass vor 1236 weitgehend undefinierte Gebäude auf der Insel existierten. Alles andere bleibt bisher unbewiesene Spekulation. Insbesondere Zeppelins "wehrhaftes Schloss" 22  lässt sich nicht nachweisen.

Zeppelin geht sogar noch einen Schritt über die lateinische Quelle hinaus. Während diese davon spricht, dass der Bischof etwas errichtet hat, behauptet er, dass alles schon vorhanden war. 23  Zeppelins weitgehende Auslegung dieser Quelle ist nur aufgrund seiner völlig unbewiesenen vorherigen Quellenauslegungen zu den früheren Bildern verständlich. 24  Er hatte sich bereits darauf festgelegt, dass Die Insel seit den Pfahlbauten bebaut war, dass die Römer ihr Kastell dort errichtet hatten, der Bischof seine Kathedrale und seine Bischofspfalz.

Der Bildwert für Zeppelin war jedoch hoch. Im späten 19. Jahrhundert galt der Investiturstreit aufgrund des erneuten Konfliktes zwischen Staat und katholischer Kirche, insbesondere im Kulturkampf, als interessantes und zugleich hochpolitisches Forschungsgebiet, das fast jedem Deutschen als Dauerbrenner über viele Jahre hinweg bekannt war. Hier wollte Zeppelin seine Insel als Hauptkampfort zwischen den zwei Gewalten darstellen, wobei er den Sieger Gebhard auf seiner Insel sah, sonst jedoch im Gemälde neutral blieb. Somit war dieses Gemälde marketingtechnisch für das Hotel, wie selbstdarstellerisch für Zeppelin, wertvoll.

Auffällig bleibt, wie klar die Zeitgenossen das Werk Zeppelins und Häberlins betrachteten. So schrieb die Konstanzer Zeitung über die Fresken:
"Daß wenigstens für die paar ersten Bilder derselbe [Häberlin] nicht blos geschichtlich streng zu beweisenden Stoffes, sondern auch der Kombination und Legende sich bedient, das wird ihm bei der Freiheit, die man künstlerischem Schaffen ja stets gern zu gewähren bereit ist, niemand verargen,...." 25 

Insgesamt kann man festhalten, dass Zeppelin in historisch unkorrekter Weise alle möglichen Ereignisse vor dem Jahr 1236, die in irgendeinem Zusammenhang mit Konstanz standen oder auch nur gestanden haben könnten, seiner Insel zuwies. Für einen geschäftstüchtigen Hotelier kann diese Geschichtsklitterung als Marketing-Instrument angehen, für einen Historiker, der sich gerne im hehren Lichte der Forschung, Aufklärung und Wahrheit darstellte, ist dies allerdings bemerkenswert.

Ferner wirft es ein bezeichnendes Licht auf sein Verhältnis zur Stadt Konstanz. Zeppelin behauptete dreist: "Die Insel in Konstanz... [ist] ... in historischer Beziehung ... ein Mikrokosmos im Verhältnis zum größeren ganzen der Geschichte der Stadt Konstanz überhaupt... . Denn zu den meisten für die Stadt wichtigen Ereignisse stehe die Insel in näherer oder entfernter Beziehung und zwar in einem Maße, wie nur wenige andere Punkte der Stadt". War dies faktisch bereits unzutreffend, so folgt nun sein Hauptanliegen geschickt formuliert: "Dass ich damit nicht viel gesagt habe, mag Ihnen schon die Lesung der Unterschriften zu den bisher vollendeten Bildern gezeigt haben." 26  Abgesehen davon, dass er damit deutlich macht, dass seine neuen Fresken angeblich den wissenschaftlichen Forschungsstand der Geschichte darstellen, veränderte er die Konstanzer Geschichte insgesamt. Auch wenn Zeppelin es nicht so pointiert schreibt, durch seine zusammengereimte Interpretation von Legenden und die aneinandergereihte Uminterpretation tatsächlicher Einzelquellen, welche in den bildlichen Darstellungen sowie seinen ganz mit Bedacht ausgewählten Untertiteln mündeten, erscheint seine Insel als der Ursprung der römischen und der mittelalterlich christlichen Siedlung Konstanz. Das Festland-Konstanz wird somit zu seinem Ableger degradiert. - Überdies bietet dieses Verhalten einen Einblick in Zeppelins Eitelkeit.

Noch erstaunlicher ist, dass kein Wissenschaftler ihm entgegentrat, obwohl es unübersehbar war und ist, dass Zeppelin seine neuen Fresken als das Destillat seiner historischen Forschungen mit Wahrheitsanspruch und pädagogischem Lehrauftrag sah. Ganz im Gegenteil bot der Verein für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung Zeppelin sogar mehrfach die wissenschaftliche Basis, um seine - zumindest sehr einseitige - Geschichtsumdeutung und werbetechnische Selbstdarstellung zu publizieren. 27 

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Hier geht es zum sechsten geschichtlichen Ereignis auf der Insel - Gründung des Klosters durch Bischof Heinrich von Tann 1236

1 Zu den Wirren des "Investiturstreits" - Bischof Gebhard III. und die Bürgerschaft. siehe u.a. Maurer, Konstanz im Mittelalter, S. 88ff. Feger, Konstanz, Aus der Vergangenheit einer alten Stadt, S. 198ff.

2 Beck, Kostbarkeiten des Dominikanerklosters, heutiges Inselhotel in Konstanz, S. 111ff. Auch der ehemalige Stadtarchivar Helmut Maurer vermutete eine Inselfestung auf der Dominikanerinsel, Maurer, Konstanz im Mittelalter, S. 131. mit einer Karte der vermuteten Festung, S. 91, die von Beck stammt. Auch der ehemalige Stadtarchivar Otto Feger vermutete, Die Chronik des Klosters Petershausen, in der Fußnote 2 auf S. 155, die Dominikanerinsel als Ort der Inselfestung.
Beck gebührt die Ehre, die Mauern gefunden, dokumentiert und genau eingezeichnet zu haben, bevor sie bei den Umbauarbeiten auf der Insel zerstört und der Rest wieder zugeschüttet wurde. Seine Pläne sind zweifelsfrei korrekt. Unbeantwortet bleiben bis heute jedoch die Fragen: Wann diese Mauern, von wem, zu welchem Zweck errichtet wurden.

3 Beyerle und Maurer, S. 554.

4 Beyerle und Maurer, S. 557.

5 Beck, Kostbarkeiten des Dominikanerklosters, heutiges Inselhotel in Konstanz, S. 121.

6 Anlage zur Anfrage K-68,1988. Kopie in Baugeschichte III, Stadtarchiv Konstanz.

7 Beck, Kostbarkeiten des Dominikanerklosters, heutiges Inselhotel in Konstanz, S. 122.

8 Beck, Kostbarkeiten des Dominikanerklosters, heutiges Inselhotel in Konstanz, S. 125.

9 Beck, Kostbarkeiten des Dominikanerklosters, heutiges Inselhotel in Konstanz, S. 126.

10 Beck, Kostbarkeiten des Dominikanerklosters, heutiges Inselhotel in Konstanz, S. 126.

11 Beck, Kostbarkeiten des Dominikanerklosters, heutiges Inselhotel in Konstanz, S. 124.

12 Beck, Kostbarkeiten des Dominikanerklosters, heutiges Inselhotel in Konstanz, S. 123 + 124 zwei Fotos der bei Umbauten 1966 gefundenen Mauern, die Beck als Mauern der Inselfestung von 1102 deutete.

13 Beck selbst beklagt die Zerstörungen durch "Unachtsamkeit" bei den Umbaumaßnahmen 1965/6. Beck, Kostbarkeiten des Dominikanerklosters, heutiges Inselhotel in Konstanz, S. 116.

14 Petershauser Chronist für 1102/03, Chronik Petershausens, S. 154f.

15 Petershauser Chronist für 1102/03, Chronik Petershausens, S. 154f. Zitiert nach der deutschen Übersetzung von Maurer.

16 Feger, Urkundenbuch, 1201-1249, Stadtarchiv Konstanz, Juli 1236, S. 154.

17 Petershauser Chronist für 1102/03, Chronik Petershausens, S. 154f. Zitiert nach der deutschen Übersetzung von Maurer.

18 Die Chronik des Klosters Petershausen, S. 7. Feger vermutete, dass der Chronist auf ältere Schriften zurückgreift.

19 Die Chronik des Klosters Petershausen, S. 9.

20 Feger, Urkundenbuch, 1201-1249, Stadtarchiv Konstanz, Juli 1236, sowie das Original bei Schulthaiss, Collectaneen Band 1, Folio 188 recto und verso, "erbuwung des predigerklosters" Regtest: Reggt. ep. Const. No. 1484, Stadtarchiv Konstanz.

21 Beyerle und Maurer, S. 557.

22 Zeppelin, Über die historischen Fresken von Professor Karl Häberlin im Kreuzgang des Inselhotels in Konstanz, S. 18.

23 Zeppelin, Über die historischen Fresken von Professor Karl Häberlin im Kreuzgang des Inselhotels in Konstanz, S. 17. "Durch die Erzählung des Petershauser Chronist erhält übrigens die Annahme, daß sich im früheren Mittelalter eine jedenfalls nicht unbedeutendes Burg auf der Insel befunden habe, die wirksame Unterstützung". Um diese falsche Behauptung untermauern zu können, lässt er einfach den ersten Teil des lateinischen Satzes des Chronisten entfallen, indem dieser vom Bau spricht. - Eklektizismus in Reinform.

24 Zeppelin, Über die historischen Fresken von Professor Karl Häberlin im Kreuzgang des Inselhotels in Konstanz, S. 17.

25 Die neuen Fresken im Kreuzgang des Inselhotels, in: Konstanzer Zeitung 15.07.1886, Dort werden die von Zeppelin verlangten Karton- und Ölskizzen beschrieben für die geplanten Gemälde.

26 Beide Zitate: Zeppelin, Über die historischen Fresken von Professor Karl Häberlin im Kreuzgang des Inselhotels in Konstanz, S. 11.

27 Der 1870 in den Bodensee-Geschichts-Verein eingetretene Eberhard Zeppelin wurde 1875 sein badischer Vertreter und 1893 sogar dessen Präsident. Siehe hierzu: Engelsing, Geliebter Ferdi, S. 60.

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