Taufe des ersten hier geborenen Kindes der Genfer Kolonie im Refectorium 1786

vg
Lage des Gemäldes im Kreuzgang

Bilddaten

Das 15. Gemälde zur Geschichte der Insel in Konstanz bedeckt nur einen Bogen.

Taufe des ersten hier geborenen Kindes der Genfer Kolonie

Taufe des ersten hier geborenen Kindes der Genfer Kolonie im Refectorium 1786, Zustand 2014.

Bildbeschreibung

Taufe des ersten hier geborenen Kindes der Genfer Kolonie

Taufe des ersten hier geborenen Kindes der Genfer Kolonie im Refectorium 1786, Original-Zustand um 1895 fotografiert.

Geschichtsfakten

Das katholische Dominikanerkloster wurde 1785 aufgelöst. Gleichzeitig zogen 270 Emigranten aus Genf (meist Hugenotten = französische Protestanten) nach Konstanz. Unter ihnen die protestantische Familie des Bankiers und Fabrikanten Jacque Louis Macaire, die Vorfahren von Eberhard Graf Zeppelin, welche Teile der Klostergebäude pachteten. Sie erhielten hier kaiserliches Asyl und Religionsfreiheit zugesichert, sofern sie den daniederliegenden Handel und das Gewerbe förderten. In der Folge hielt man am 16.4.1786 den ersten protestantischen Gottesdienst im ehemaligen Refectorium des Klosters ab. Und bereits am 23.4.1786 wurde das erste Kind getauft. Bis 1801 feierte man dort insgesamt 130 Kindstaufen. 2  Eigentlich handelte es sich bei der Nutzung des ehemaligen Refectoriums des Klosters um eine Übergangslösung, da man laut Privileg das Recht hatte, eine eigene Kirche zu erbauen. Allerdings dachten die Genfer nicht daran, hierfür Geld auszugeben und stellten stattdessen mehrfach Petitionen, man möge eine der zahlreichen anderen katholischen Kirchen enteignen und ihnen kostenlos zur Verfügung stellen. 3 

Religionsfreiheit im Sinne von täglich praktizierter Religion war im 18. Jahrhundert noch keine Selbstverständlichkeit und Zeppelin wichtig, insbesondere als Protestant in der katholischen Diaspora. Die protestantischen Einwanderer erhielten im Privileg explizit die Befreiung von der sonst üblichen katholischen geistlichen Gerichtsbarkeit garantiert. 4  Ferner wird hier wieder geschickt die Verbindung seiner Familie mit der Insel und dem ehemaligen katholischen Kloster hergestellt. Eine vermeintliche religiöse Kontinuität wird dargestellt, obwohl es durch die Säkularisierung zur Entweihung des Klosters durch eine Fabrik gekommen war. Überdies ließ sich in diesem Bild der mitgebrachte Wohlstand der Emigranten und somit auch seiner Familie darstellen, welche in das wirtschaftlich rückständige und verarmte Konstanz kamen, um es in Zeppelins Denken voran zu bringen. Aber nicht um der Stadt zu helfen. - Und somit zeigt sich in diesem Bild ein negativer Aspekt der Genfer Kolonie: Sie grenzte sich auch religiös konsequent von der städtischen Bevölkerung ab, da "der religiöse Zusammenhang zugleich die wirksamste geschäftliche Organisation bildete". 5  So wollte man auch eine eigene Schule bzw. Akademie gründen. 6  Wie sehr man sich abschloss, wird auch darin sichtbar, dass der Gottesdienst nur in französischer Sprache abgehalten wurde. 7 

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Hier geht es zum 16. geschichtlichen Ereignis auf der Insel - Zeit der K.K. privileg. Indiennefabrik von Macaire frère um 1800

1 Beitrag zur Geschichte des Dominikaner- oder Predigerklosters auf der Insel.

2 Burkhardt, Konstanz im 18. Jahrhundert, S. 390.

3 Seehofer, Die Genfer Kolonie in Konstanz, S. 214 und S. 248. Und in der Tat ging die vorderösterreichische Regierung sogar auf diese überzogene Forderung der Genfer ein und stellte ihnen per Dekret vom 15. September 1788 das Minoritenkloster zur Verfügung.

4 Marmor, Die Genfer Kolonie in Konstanz, S. 111.
Zur ersten Taufe siehe ebenso Marmor, Geschichtliche Topographie der Stadt Konstanz und ihrer nächsten Umgebung, S. 35.
Die Genfer Kolonie war in Religionsangelegenheiten einzig einem Kollegium direkt in Wien unterstellt. Seehofer, Die Genfer Kolonie in Konstanz, S. 203.

5 Seehofer, Die Genfer Kolonie in Konstanz, S. 179, spricht bei den damals in deutschen Landen häufig anzutreffenden hugenottischen Auswandern sogar von "Intoleranz", insbesondere gegen Juden. Ferner attestiert er den Genfern "unduldsames, herrisches Auftreten" ebenda, S. 300.

6 Seehofer, Die Genfer Kolonie in Konstanz, S. 186f.

7 Seehofer, Die Genfer Kolonie in Konstanz, S. 204.

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