Das Inselkloster als Spital. 1536

vg
Lage des Gemäldes im Kreuzgang

Bilddaten

Das 13. Gemälde zur Geschichte der Insel in Konstanz bedeckt nur einen Bogen.

Hier wurde die linke untere Ecke beim Umbau 1965 zerstört. 1977 wurde die beschädigte linke untere Hälfte von Carolus Vocke neu gemalt.

Das Inselkloster als Spital. 1536

Das Inselkloster als Spital. 1536, Zustand 2014.

Bildbeschreibung

Das Inselkloster als Spital. 1536

Das Inselkloster als Spital. 1536, Original-Zustand um 1895 fotografiert.

Vergleich des Originalbildes mit der Restauration

Dies ist ein weiteres Bild, bei welchem der Restaurator Vocke 1977 inhaltlich wie künstlerisch extreme Veränderungen vorgenommen hat.

Geschichtsfakten

Konstanz war nach der Pest Ende 1519 fast menschenleer. 2  Pfarrer Jakob Windner predigte ab Ende 1519 im Sinne Luthers in der Kirche St. Johann, und Luthers Schriften zirkulierten unzensiert in Konstanz. Aufgrund der engen Beziehungen zu Zürich, das vom Reformator Zwingli beeinflusst war, bekannte sich der Rat der Stadt Konstanz ab 1519 in Schritten zu den reformatorischen Bestrebungen. Ab 1521 formierten sich Luthers Anhänger in Konstanz, die im Herbst auch öffentlich in Erscheinung traten. Im Winter folgten die Prediger im St. Stephan (Bartholomäus Metzler) und im Münster (Johannes Wanner). Der Patriziersohn und ehemalige Mönch Ambrosius Blarer (1492-1564) kehrte 1522 nach Konstanz zurück und publizierte ab 1523 für die Reformationsbewegung. Die Konflikte nahmen nach dem Wormser Edikt von 1521 zu. 1526/27 verließen der Bischof und das Domkapitel ihren Sitz in Konstanz und gingen nach Meersburg. Ab 1527 hob man erste katholischen Klöster auf und zog deren Vermögen ein. 3  In der Folge kam es zu Auseinandersetzungen mit dem Dominikanerkloster bis 1530. Bereits 1527 hatte man eine Wache auf die Insel verlegt, welche die Mönche kontrollierte. Sexuelle Vergehen zweier Mönche erlaubten dem Rat der Stadt 1528, einen Verwalter über das Dominikaner-Kloster einzusetzen. Daraufhin flohen die meisten Mönche im August 1530. Die vier übriggebliebenen wurden in das Barfüßerkloster verlegt. Ab 1530 wurde das Vorgehen gegen die Klöster massiver. 4 

Die Darstellung Zeppelins, dass die Mönche ihr Kloster "mehr oder weniger freiwillig" 5  verließen, ist eine seiner üblichen Geschichtsklitterungen. Dass die Reformatoren auch nicht immer zimperlich mit ihren Gegnern umgingen, wollte der reformierte Zeppelin nicht wahrhaben. Es handelte sich in Konstanz schließlich nicht um die gemäßigte Reformation Luthers, sondern um die radikale Version im Sinne Zwinglis, bei der u.a. fast alle Kunstgegenstände der Kirchen entweder eingeschmolzen oder vernichtet wurden.

1528/1529 - 1549 6  - in einem Brief an Häberlin behauptete Zeppelin zumindest "um 1536" 7  - wurde das Gebäude während der Reformationszeit als Hospital genutzt, weil das alte Konstanzer Hospital an der Marktstätte baufällig war. - Insbesondere hier lässt sich an den Briefen belegen, dass sich Häberlin in historischen Fragen weitgehend auf Zeppelin verließ, da er das von Zeppelin vermutete Jahr 1536 exakt so in das Spruchband unter dem Bild übernahm. De facto beschloss der Rat der Stadt Konstanz jedoch erst 1538, das Spital auf die Insel zu verlegen, wobei zuerst große Teile des Klosters aufwändig zum Spital umgebaut wurden. 8 

In das Spital kamen schwer erkrankte und langwierig kranke Personen. Zumindest zuerst waren vermutlich keine Sondersiechen (= Aussätzige) im Spital auf der Insel, da man diese vor den Toren der Stadt im Süden behandelte. Seit der Pest 1518/19 gab es ein Blatternkrankenhaus in Stadelhofen. Ab 1541 suchte jedoch eine weitere Pest Konstanz heim. Daraufhin soll das Spital auf der Insel als Sondersiechenhaus genutzt worden sein. Margarethe Blarer starb am 15. November 1541, vermutlich auch aufgrund ihrer Pflege der Pestkranken. 9 

Für Zeppelin persönlich war Blarer als Reformator wichtig. Aber marketingtechnisch war die Idee des Gesundheitswesens damals in aller Munde. Florence Nightingale sowie das Rote Kreuz waren bekannt und die jahrelang diskutierten Bismarckschen Sozialgesetze vorbildlich. Somit griff Zeppelin auch in diesem unscheinbaren Bild wichtige zeitpolitische Strömungen geschickt auf und verband sie mit seiner Insel, seinem Haus und letztendlich mit sich selbst. - Pointiert ließe sich aus diesem Bild auch lesen, dass seine Protestantin bereits mehr als 300 Jahre früher die Sozialgesetzgebung Bismarcks im Krankenwesen auf seiner Insel vorwegnahm.

U.a. im Schreiben vom 28.11.1888 teilte Eberhard Graf Zeppelin, der sonst immer selbst viele Quellen zu jedem Bild sammelte, Häberlin mit, dass er sich die Quellen zu Margarete Blarer selbst zusammensuchen solle. 10  Es scheint, als ob Zeppelin, der - neben seiner Tätigkeit als Hobbyhistoriker - auch noch zahlreiche andere zeitraubende Aufgaben inne hatte, hier die aufwändige Arbeit der Quellensammlung für jedes Gemälde über den Kopf wuchs.

Nach der Pest war 1548 auch das "Bürgerspital" auf der Insel und beherbergte Flüchtlinge aus Petershausen, die vor den Spaniern geflohen waren. 11  1548 wurde die Stadt von den kaiserlichen Truppen Karls V. besetzt und danach die Insel den Dominikanern zurückgegeben. Ab 1551 kehrten die Dominikaner wieder auf die Insel zurück. 12  Für Konstanz war die kurze reformatorische Episode besonders schmerzlich, da es als Stadt an Habsburg fiel, seine Selbständigkeit verlor und den gesamten beschlagnahmten katholischen Besitz zurückerstatten musste, wodurch es sich auf lange Zeit völlig verschuldete und weitgehend handlungsunfähig wurde. 13 

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Hier geht es zum 14. geschichtlichen Ereignis auf der Insel - Vertheidigung der Insel gegen die schwedische Flotte. 1633.

1 Schließlich hatte König Maximilian 1507 auf dem Reichstag in Konstanz eine strenge Kleiderordnung festgesetzt.
Dobras, Konstanz in der frühen Neuzeit, Konstanz während zur Zeit der Reformation, S. 100, weist explizit darauf hin, dass Empfänger von Leistungen des Spitals keinen Aufwand bei der Kleidung treiben durften.

2 Dobras, Konstanz während zur Zeit der Reformation, S. 39ff.

3 Feger, Konstanz, Aus der Vergangenheit einer alten Stadt, S. 62f. sowie S. 175ff.

4 Dobras, Konstanz während zur Zeit der Reformation, S. 71. Sowie: Maurer und Engelsing.
Anders Marmor, Geschichtliche Topographie der Stadt Konstanz und ihrer nächsten Umgebung, S. 32: 1528 wurden der Prior und der Subprior des Klosters wegen Veruntreuung des Klostergutes verhaftet. Ab 1529 wurden die Dominikaner "scharf beaufsichtigt".

5 Zeppelin, Über die historischen Fresken von Professor Karl Häberlin im Kreuzgang des Inselhotels in Konstanz, S. 19.
Anders Marmor, Geschichtliche Topographie der Stadt Konstanz und ihrer nächsten Umgebung, S. 32f. Er sprach vom "kräftigen Widerstand" der Dominikaner gegen den reformierten Stadtrat. Und selbstverständlich war Zeppelin dies bekannt, da er Marmor auch sonst immer zitiert, wenn es in sein Geschichtsbild hineinpasst.

6 Zeppelin, Über die historischen Fresken von Professor Karl Häberlin im Kreuzgang des Inselhotels in Konstanz, S. 19f.

7 Aus den Briefen von Eberhard Graf Zeppelin an Haeberlin aus den Jahren 1886-1904, Landesbibliothek Stuttgart, Cod. Hist. 4° 445, Fasz. V, Brief vom 28.11.1988, zitiert nach Pech, Carl von Haeberlin, S. 231.

8 Dobras, Konstanz während zur Zeit der Reformation, S. 74. Sowie: Blechner, Stadtforschung, Wo die Konstanzer ihre Toten begruben, S. 263.
Auch Marmor, Geschichtliche Topographie der Stadt Konstanz und ihrer nächsten Umgebung, S. 32, vermutete das Spital bis 1549 auf der Insel.

9 Blechner, Stadtforschung, Wo die Konstanzer ihre Toten begruben, S. 263.
Zum Siechenhaus südlich Konstanz siehe Marmor, Geschichtliche Topographie der Stadt Konstanz und ihrer nächsten Umgebung, S. 85. Zuerst handelte es sich nur um eine Elenden (= Fremden) Herberge, die jedoch im Laufe der Zeit zum Blatternhaus wurde.

10 Aus den Briefen von Eberhard Graf Zeppelin an Haeberlin aus den Jahren 1886-1904, Landesbibliothek Stuttgart, Cod. Hist. 4° 445, Fasz. V, Brief vom 28.11.1988, zitiert nach Pech, Carl von Haeberlin, S. 231, Brief 4.

11 Blechner, Stadtforschung, Wo die Konstanzer ihre Toten begruben, S. 264.

12 Maurer und Engelsing. Blechner, Stadtforschung, Wo die Konstanzer ihre Toten begruben, S. 264.

13 Feger, Konstanz, Aus der Vergangenheit einer alten Stadt, S. 65ff.

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