Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Bajonetten, den Bajonett-Anschlüssen an Kameras, die auch Objektivbajonett, Lens mount, oder kurz Bajonett resp. mount oder Fotobajonett oder Kamerabajonett genannt werden.
Je mehr sich die Fotoapparate aller Hersteller auf qualitativ hohem Niveau einander angleichen, sodass nur noch Testlabore Unterschiede herausmessen, und je deutlicher die dramatische wirtschaftliche Krise alle Hersteller gleichsam betrifft, auf umso abstrusere Felder verlegen sich die geführten Glaubenskriege mancher fanatischer Kamera-Anhänger. Zu einem besonderen Schlachtfeld
entwickelte sich das Bajonett.
Da vor allem im wortsezierenden Deutschland gerne an meinen aus der Praxis stammenden und belegbaren Ausführungen zu den Problemen mit Bajonetten herumgenörgelt wird, finden Sie im Folgenden ein paar wissenschaftliche Erklärungen zu Bajonetten, welche für Ihre Fotopraxis und Videopraxis relevant sind.
Ein Inhaltsverzeichnis mit direkten Sprungmarken und Überblick über alle bei Bajonetten behandelten Themenbereiche finden Sie als Pop-Up.
Unter einem Bajonett verstand man seit dem 17. Jahrhundert ein an einem Gewehrlauf vorne befestigtes Messer. Dieses wurde entweder auf den Gewehrlauf vorne montiert oder aufgesteckt respektive aufgesetzt oder aufgepflanzt. Das Gegenstück am Gewehr - quasi die Halterung - wird dabei als Aufpflanzvorrichtung oder Bajonetthalter resp. Bajonetthaft bezeichnet. - Im Englischen unterscheidet man Bayonet, welches exakt und nur das Waffen-Bajonett meint, und mount, wobei der Begriff viel umfassender ist und jeden Auf-/Anbau umfasst und sogar bis hin zum Begriff des Stativs als Unterbau reicht.
Im ziemlich militaristisch orientierten 19. Jahrhundert wurde dieser Begriff in Frankreich relativ konsequent als Anschluss für das Objektiv vorne an der Kamera in den Bereich Fotografie übertragen. Ganz genau spricht man dabei von Objektivbajonett (Englisch: Lens mount).
Unter dem Objektivbajonett versteht man in der Fototechnik den Anschluss eines Objektives an die Kamera
, resp. das Zwischenstück
oder das Interface
zwischen dem Objektiv und der Kamera (body).
Bitte beachten Sie, dass in dieser allgemeinen Definition keine Einschränkung auf den rein mechanischen Teil des Anschlusses besteht, sondern die gesamte Verbindung gemeint ist.
Und um allen Kritikern gleich hier die Luft aus den Segeln zu nehmen: Die wie fast immer wesentlich didaktischere und präzisere englische Definition spricht ausdrücklich von der mechanischen und der elektrischen Komponente / Seite (mechanical and often also electrical
). Aber selbst die deutsche Definition erwähnt korrekt: Neben der reinen Befestigungsfunktion sind zumeist im Bajonett auch Elemente der Sensorik und Aktorik integriert
.
Der Bajonett-Anschluss unterscheidet sich für die Fotopraxis vorteilhaft von den früher ebenfalls verwendeten Schraubanschlüssen: Beim Bajonettanschluss wird das Objektiv irgendwie an die Kamera angesetzt und (oft mit einer kleinen Drehung) durch einen Einrastmechanismus arretiert. Dadurch lässt sich die Endposition einfach, präzise und vor allem immer herstellen.
Beim früher häufigen Schraubanschluss wurde das Objektiv relativ langwierig mit einem oft empfindlichen Gewinde - wie bei einem Anschluss an einen Wasserhahn - angeschraubt. Die exakte Endposition war folglich nicht immer leicht herzustellen.
Früher fand sich auch noch eine Art Dreh-Schraubverschluss, der im Englischen präzise als Breech-lock bezeichnet wurde. Dabei arretiert (z.B. alte Canon-Modelle) ein am Objektiv montierter Drehverschluss das exakt gerade angesetzte Objektiv durch einen hohen Anpressdruck / Reibung (ähnlich einem Hinterlader-Verschluss).
Um es nochmals zusammenzufassen. Die Definition des Bajonetts umfasst heute mehrere Komponenten / Facetten:
Die rein mechanische Passform zum Anschluss des Objektivs an die Kamera = die reine Befestigung.
Die Mechanik zur Kommunikation mit mechanischen Elementen im Objektiv.
Die elektrischen Kontakte, welche auf beiden Seiten (Objektiv, wie Kamera) exakt übereinstimmen müssen.
Und ich gehe über diese reine Hardware-Betrachtung noch hinaus: Viertens die Software zur Kommunikation zwischen moderner Kameraelektronik und moderner Objektiv-Elektronik.
Wie ich unten belegen werde, ist es heute nämlich die Software, welche für die Kameras viel wichtiger ist, als die immer noch in den Augen vieler Fotografen und Tester überbewertete Hardware.
In der Anfangszeit der Fotografie handelte es sich beim Objektiv-Bajonett tatsächlich nur um die reine Befestigung eines Wechsel-Objektives an das Kamera-Gehäuse (body). In der Anfangszeit der Fotografie war diese sehr rudimentäre Verbindung der zwei Teile und somit auch einfache Definition der Schnittstelle möglich, da die Einstellungen manuell und völlig unabhängig voneinander am Objektiv und an der Kamera durchgeführt wurden.
Auch in jenen Tagen war eine Präzision zwar wünschenswert, da der genaue Abstand zwischen Objektiv und Filmebene die Bildqualität beeinflusste. Aber die Spielräume waren in der Praxis dennoch erheblich und fielen im fotografischen Endergebnis kaum störend auf. Dazu waren die anderen technischen Rahmenbedingungen (Optik, Filmqualität und Ausentwicklung im Labor) im 19. Jahrhundert noch viel zu wenig entwickelt und besaßen dadurch einen viel größeren (die Bildqualität verschlechternden) Einfluss.
Mit der zunehmenden Technisierung und Automatisierung gelangten allerdings zuerst Mechanik, dann Elektrik und schließlich Elektronik sowohl in die Kameragehäuse als auch in die Objektive. Damit wurde jedoch eine irgendwie geartete Kommunikation der zwei Teile miteinander / ein Zusammenspiel beider Elemente erforderlich.
Bereits die Zeitsteuerung der Aufnahme (also z.B. 1/60 Sekunde) machte bei manchen Verschlüssen (im Objektiv) eine (damals zuerst mechanische) Verbindung von der Kamera zum Verschluss im Objektiv erforderlich. - Die Komplexität jener Verbindung zum Objektiv war im Übrigen mit ein Grund, warum viele Hersteller den Verschluss damals in das Kameragehäuse verlegten.
Spätestens mit der Blendensteuerung durch die Kamera wurde eine (zuerst mechanische) Verbindung von der Kamera zur Blende im Objektiv erforderlich.
D.h. bereits im frühen 20. Jahrhundert wurde ein präziser Anschluss zwischen einem Objektiv und einer Kamera erforderlich, damit man diese mechanische Verbindung / Interaktion jederzeit sicherstellen konnte. - Oder, um es noch klarer auszudrücken: Bereits damals wurde dafür ein anderer - zum Vorgängermodell abweichender - Bajonettanschluss erforderlich.
Vor allem die Belichtungsautomatik und Blendenautomatik (wie jede der zunehmenden elektronischen Steuerungen) machten eine Kommunikation zwischen Kamera und Objektiv erforderlich.
Deshalb wurden bereits im 20. Jahrhundert zunehmend mechanische Steuerungen durch elektrische und dann durch elektronische ersetzt, wodurch es zu weiteren Änderungen am Bajonett kam. - So erforderte z.B. die präzise Langzeitbelichtung eine elektronische Steuerung.
Auch die danach aufkommende Bildstabilisation im Objektiv (bekannt als Verwacklungsschutz) erforderte eine Kommunikation zur Kamera.
Die automatische Belichtungseinstellung durch einen Fotosensor in der Kamera stellte die Hersteller bereits vor große Herausforderungen, die man jedoch noch meist mechanisch mit den existierenden Bajonetten irgendwie in den Griff bekam. Bei der Autofokussteuerung stießen viele Kamerahersteller jedoch de Facto in den 1970er und 1980er Jahren an die Grenzen der bisher existierenden Bajonett-Anschlüsse.
Die Konsequenzen waren je nach Hersteller unterschiedlich, in der Fotopraxis für die Kunden jedoch immer nachteilig. Entweder wurde das existierende Bajonett weiterentwickelt
, was nichts anderes bedeutet, als technisch verändert, oder der Hersteller wechselte zu einem komplett neuen Bajonett.
Abschließend sei angemerkt, dass alle Kamerahersteller ständig Ihre Objektive und Kameras verbesserten und auch heute noch optimieren.
Dies hat immer zur Folge, dass auch heute noch laufend elektrische und elektronische Details an beiden Komponenten verbessert werden. D.h. ganz konkret, dass sich die Bajonette ständig etwas verändern, weil sie weiterentwickelt werden müssen.
Die frühere Mechanik (Bajonett / Anschluss) mag zwar im Einzelfall dann noch passen. Aber es dürfte jedem Leser und Fotografen einleuchten, dass es bei der Kombination von alten und neuen Geräten (Objektiven, Konvertern, Adaptern, sowie Kameras) immer gewisse Einschränkungen geben wird.
Indirekt räumen dies die Kamerahersteller sogar ein, indem sie laufend Updates der Kamera-Firmware (Software) anbieten, welche derartige Schnittstellenprobleme (zumindest zum Teil) zu beheben versuchen. Interessant erscheint deshalb der Ansatz mancher Objektiv-Drittanbieter (wie z.B. Sigma), eine elektronische Andock-Station zum jeweiligen Objektiv anzubieten, das damit nachträglich umprogrammiert werden kann.
Nochmals zum Verständnis: Auch in modernen Objektiven findet sich inzwischen erstaunlich viel Elektronik, Computer-Hardware und Software.
Inzwischen sind die Dinge (u.a. bei Canon) auch veröffentlicht, sodass ich meine weiteren Informationen publizieren darf:
Bei neuen Objektiven geht die Steuerung hin zu by wire
. D.h. ein kleiner Microsensor im Drehring analysiert Ihre Bewegungen und setzt sie in die gewünschten elektrischen / elektronischen Signale um. Wobei dies alles sein kann: Blende, Fokussierung, ISO, Belichtungskorrektur, Weißabgleich. - Korrekt gelesen. Sie können an derart modernen Objektiven nicht nur Objektivfunktionen, sondern auch alle möglichen Kamerafunktionen auf die beliebig viele Objektivringe frei legen. Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass heutige Bajonette komplexe elektronische Einheiten sind, die bidirektional arbeiten.
Wichtig bleibt festzuhalten, dass es sich heute beim jeweiligen Bajonett um eine hochkomplexe Schnittstelle zwischen zwei mit Computerchips ausgestatteten Hardware-Teilen (Kamera-Body und Objektive) handelt, die über die Schnittstelle (das Interface) mittels Software-Befehlen bidirektional kommunizieren.
1987 wagte Canon einen großen Schritt: Der Hersteller wechselte sein Bajonett auf das neue EF. In der Retrospektive wird dies von technikeuphorischen Fotografen heute gerne ausschließlich positiv als revolutionäre Tat auf dem Weg in unsere heutige bessere
Zukunft beschrieben. - Das sahen viele Betroffene damals allerdings anders.
Man muss jedoch wissen, dass man sich damals in Japan während der Entwicklung jenes neuen Bajonetts in der Endphase eines jahrzehntelangen wirtschaftlichen Aufschwunges befand, der maßgeblich auf technischem Fortschritt beruhte. Ferner befand sich die Technikeuphorie und Technikgläubigkeit damals (kurz vor der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl) weltweit auf ihrem absoluten Höhepunkt. Kritik am technischen Fortschritt keimte erst langsam auf und fand sich eher zögerlich sowie fast nur im Westen und dort besonders im sowieso nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend technik- und fortschrittskritischen Deutschland. Überdies befand sich Canon seit Jahren auf der Überholspur, indem es sich mittels ständig neuer technischer Erfindungen technologisch an die Spitze der Kameraindustrie gesetzt hatte und sich exakt dadurch vom kleinen Mitspieler zum größten Hersteller im Fotobereich entwickelt hatte.
Bereits der neue Name des neuen Bajonetts EF stand für Electronic Focus - elektronisch gesteuerter Autofokus, wobei man den Autofokus-Motor - ein Ultraschallmotor USM - in das Objektiv verlegte. Beides waren damals sensationelle Neuerungen. D.h. alleine der Name erklärte somit schon das damals als geradezu unabwendbar gesehene technische Erfordernis des Wechsels. Denn die Kameras waren 1987 auch völlig neu und erhielten den Zusatz EOS - Electro-Optical System - ein elektronisches System, das mit der Optik direkt elektrisch kommuniziert.
Letztendlich war das vorausgehende FD-Bajonett auch erst 1971 von Canon eingeführt worden. Und auch dessen Vorgänger - das FL-Bajonett - war nur (1964-1971) relativ kurz in Produktion. Der Hersteller fühlte sich somit dem Überkommenen sowieso nicht so verbunden.
De facto muss man sich das firmenintern so vorstellen, dass sich die Technikabteilung gegen das Marketing, den Vertrieb und den Support durchsetzte. - Eine ungeheure Leistung, welche heute in diesem weitreichenden Ausmaß undenkbar ist. Denn das Ausmaß war das Problem, da Canon damals bereits der Marktführer mit der größten Kundenzahl war.
Die Entscheidung war epochal und hatte exakt die von allen vorausgesagten Wirkungen: Die technischen Befürworter erhielten ein komplett neues technisches Bajonett, das zukunftstauglich und weiter ausbaubar war. Die kritischen Stimmen behielten Recht, weil der Image-Schaden für die Firma weltweit katastrophal war. Millionen bestehender Kunden wurden verprellt. Tausende wanderten damals entrüstet zur Konkurrenz ab.
Das Problem bestand darin, dass man einen - aus Sicht der Kunden - harten Schnitt vollzog, obwohl die Firma das FD-bajonett und FD-System noch - allerdings lust- und lieblos - bis ca. 1992 unterstützte.
Das alte Bajonett wurde ersatzlos für die neue Technik aufgegeben. An dessen Stelle wurde ein neues, komplett anderes gestellt.
Alte Kunden, mit zahlreichen Kameras und Objektiven mussten mit der völligen Entwertung ihrer gesamten Ausrüstung leben. Gemessen am damaligen Realeinkommen und vor allem dem davon frei verfügbaren Einkommen (also etwa für Hobbies und Reisen) waren auch damals Kameras und Objektive teuer. Es handelte sich auch in den 1970er und 80er Jahren keineswegs um billige Produkte, welche sich der Durchschnittsbürger einfach einmal so für den kleinen Fotohunger zwischendurch kaufte.
Jeder Alt-/Bestands-Kunde musste wirklich alles neu erwerben. Damals besaß Canon die gigantische Anzahl von 134 Objektiven (zwischen 7,5 mm bis 1.200 mm Brennweite) für das alte FD-Bajonett, vermutlich die größte Anzahl bis dahin für ein Bajonett produzierter Objektive. Viele dieser Objektive waren derart hochwertig, dass vor allem Profifotografen in den 1970er und 80er Jahren nur deshalb von zahlreichen anderen Herstellermarken (insbesondere Nikon) zu Canon gewechselt waren. Ferner war es damals keine Seltenheit, dass Profifotografen und auch ambitionierte Hobbyfotografen über 10 Objektive besaßen. Das macht die Dimension und den Frust der Betroffenen verständlich. Dies macht auch die damals spürbare Abwanderung vieler Unzufriedener zur Konkurrenz erklärlich. Wenn man damals komplett neu investieren musste, warum dann nicht bei jemandem, der einem zumindest versprach, das Bajonett beizubehalten und alte Objektive weiterhin zu unterstützen.
Irgendwelche Adapter etc. waren aufgrund der extremen technischen Veränderungen am Bajonett damals nicht möglich und sind auch heute noch selten sowie in der Praxis kaum verwendbar. Erst die neue spiegellose M-Reihe von Canon kann mittels Adapter diese alten Objektive wieder nutzen.
Aber selbst, wer als Altkunde bei seinem alten System bleiben wollte, wurde verprellt, da Canon damals seine gesamte Produktion schnell umstellte.
Ein im Vergleich zu heute funktionierender Gebrauchtmarkt existierte damals kaum. Privatpersonen ließen das alte System (alle Kameras und Objektive) in den wenigen Zeitschriften und auf Floh- resp. noch selteneren Foto-Märkten wie heiße Kartoffeln liegen. Händler weigerten sich oft, selbst beim Neukauf, die alte Ware in Zahlung zu nehmen. Im Prinzip handelte es sich für viele Altkunden um einen Totalverlust aller bisher getätigten Ausgaben in Ihr Hobby Fotografie.
Dass die Fotosparte der Firma Canon das Desaster überhaupt überlebte, lag an verschiedenen Faktoren:
Viele Nachfolgeprodukte (Kameras wie Objektive der Firma Canon) waren wirklich herausragend und konnten - dank des neuen Bajonetts - viele technische Vorzüge so erst ausspielen.
Die Weltwirtschaft geriet damals in eine schwere Krise, auf die das Management - zu Unrecht - einen großen Teil der eigenen wirtschaftlichen Einbrüche schieben konnte.
Die Wirtschaft in Japan versank in eine bis heute andauernde schwere Wirtschaftskrise mit Deflation. Auch ihr schob man zu Unrecht viel Schuld zu.
Der durch die Reaganomics extrem überhöhte US-Dollar erlaubte vielen technisch für die neue Modellserie affinen jungen Quereinsteigern erstmals, eine Canon-Kamera zu erwerben. Nikon wirkte damals in den USA auf jene junge Zielgruppe etwas altbacken.
Durch den gegenteiligen Effekt der schwachen europäischen Währungen war deren Bevölkerung weitgehend dazu gezwungen, ein paar Jahre bei Neukäufen zu pausieren und mit der alten Ausrüstung weiter zu fotografieren.
Letztendlich fehlte damals noch das für den gemeinsamen weltweiten Protest verbindende Kommunikationsmedium World Wide Web (Vorsicht: Das damit oft verwechselte Internet gab es bereits sehr lange - im Grunde seit 1969 und zumindest seit 1972 in seiner öffentlichen Form).
Die Firma Canon hatte folglich in zahlreichen Punkten einfach Glück und kam mit einem Schrecken und einigen schmerzlichen Blessuren davon.
Alle Marktteilnehmer haben aus diesem Sündenfall gelernt: Allen voran die Mitbewerber, welche alles genau beobachteten und danach so einen drastischen Schritt - obwohl notwendig - nicht wagten. Und selbst Canon zog die Konsequenzen daraus, da die Firma nie wieder wagte, einen harten Wechsel durchzuführen.
Allerdings liegt das dabei verschwiegene Kernproblem darin, dass die Entscheidung von Canon damals wenigstens ehrlich war. Heute wird de facto das Bajonett bei allen Herstellern auch ständig verändert. Aber man geht mit salbungsvollen Marketing-Sprüchen über die damit verbundenen Nachteile hinweg bzw. kaschiert sie mit angeblich preisgünstigen und voll funktionsfähigen Adaptern, oder man verschweigt einfach, dass sich nun (manche) alten Objektive an neuen Kameras (und auch alte Kameras an neuen Objektiven) nicht mehr verwenden lassen. Kurzum: Der Kunde wird seitdem über die wahren Folgen für ihn und seine praktische Fotografie bewusst getäuscht.
Immer, wenn das Wort kompatibel
verwendet wird, meint man damit, dass es nicht identisch ist.
Keinesfalls sind alle Bajonette gleich, selbst beim gleichen Hersteller und selbst, wenn die Marketing-Abteilung (in Deutschland) dies behauptet.
Ferner heißt abwärtskompatibel
nicht unbedingt auch aufwärtskompatibel. Und aufwärtskompatibel
beinhaltet nicht zwangsläufig abwärtskompatibel.
Ferner darf man mechanisch
kompatibel (= anschließbar) nicht mit elektrisch gleichen Anschlüssen (z.B. Anzahl der Kontakte) oder gar mit elektronisch identischen Funktionen verwechseln.
Lassen Sie sich also kein X für ein U vormachen - auch, wenn beide Buchstaben im Alphabet kompatibel zueinander sind.
Kommen wir nun zu einigen Herstellerdetails, wobei mir schon jetzt klar ist, dass es dafür die meisten Hass-E-Mails der jeweiligen Fanatiker geben wird.
Die Detailunterschiede sind derart vielseitig, kompliziert und frustrierend, dass ich mich jeweils auf die wesentlichen (Negativ-) Punkte beschränke.
In alphabetischer Reihenfolge - ohne jede Wertung:
Nach dem Desaster von 1987 wagte es die Firma nicht mehr, offiziell auch nur das Geringste zu ändern. - Offiziell blieb es somit seit inzwischen über 30 Jahren beim EF-Bajonett.
Wer allerdings glaubt, dass drei Jahrzehnte technischen Fortschritts (inklusive Digitalisierung) so einfach am Bajonett vorbeigehen, darf gerne weiterträumen.
Das EF-Bajonett umfasste Ende der 2010er Jahre ca. 80 Objektive von 8 mm bis zu 1.200 mm Brennweite.
Die Firma Canon macht es marketing-technisch geschickt, indem sie an das EF einfach eine Bindestrich-Erweiterung hängt, z.B. EF-S (= Small image circle) oder EF-M. Das klingt harmlos, hat es aber in sich. So handelt es sich um zwei jeweils auch noch in sich unterschiedliche Bajonette für die APS-C-Klasse.
Canon selbst räumt z.B. für das EF-S-Bajonett ein, dass es kleinere physikalische Abweichungen
aufweist, welche eine Montage an ungeeigneten Kameras verhindert, welche diese Objektive nicht unterstützen.
Das klingt zwar fürsorglich, meint jedoch in der Fotopraxis, dass man viele APS-C-Objektive nicht an Vollformat-Kameras anbringen kann, obwohl es sich bei beiden um EF-Bajonette handelt (= mechanische Anschlussinkompatibilität).
Das ist auch deshalb keineswegs fürsorglich oder sinnvoll, da z.B. Nikon so etwas erlaubt und dann die Sensorauflösung der Vollformat-Kamera auf APS-C-Format herunterkonvertiert.
Noch gravierender ist, dass manche Objektive mit EF-S-Bajonett (insbesondere Ultra-Weitwinkel-Objektive) manchmal weiter nach hinten reichende Rücklinsen besitzen, welche bei einem Anschluss an eine Vollformat-Kamera mit großem Spiegel diesen beschädigen könnten. Das dürfte der Hauptgrund sein, warum Canon den Anschluss mancher APS-C-Objektive an Vollformat-Kameras mechanisch unterbindet.
Und noch etwas: Obwohl die ersten vier Modelle der Profi-Kamera Canon 1D über einen Crop-Faktor verfügten, waren / sind auch sie nicht kompatibel zu den EF-S-Objektiven. D.h. die immer wieder zu hörende und zu lesende Behauptung, die EF-S-Variante des Bajonett-Anschlüsse wäre für alle Crop-Sensoren (alles Unter Vollformat) geeignet, ist ebenfalls unzutreffend.
An die relativ neuen EF-M-Bajonette für Spiegellose Kameras (M soll für mirrorless stehen) kann man alle EF- / EF-S- Objektive sowieso nur mittels Adapter anschließen.
Dies liegt u.a. daran, dass man bei den spiegellosen Kameras den Abstand zum Sensor erheblich verkleinerte. Das macht jede Abbildung alter Objektive zunichte.
Ungern eingeräumt wird, dass spiegellose Systeme mit Kontrastautofokus arbeiten, die Objektive der klassischen EOS-Spiegelkameras jedoch mit Phasenautofokus. D.h. konkret: Auch mit Adapter ist die Autofokuszeit deutlich langsam als an den dafür geeigneten Kameras.
Die Objektive für EF-M-Kameras lassen sich hingegen überhaupt nicht an den EF- (Vollformat-) oder EF-S-Kameras (APS-C-Modelle) verwenden.
Die Vollformat-EF-Objektive lassen sich zwar mechanisch an die APS-C-Kameras anschließen, (vor allem teure, hochwertige) liefern dort jedoch nicht selten eine unerklärlich schlechte Bildqualität.
Die neuen Schrittmotoren (= STM = Stepping motor), welche seit 2012 bei manchen Objektiven eingeführt wurden, funktionieren auch nur an dafür geeigneten Kameras
, obwohl es sich um ein EF-Bajonett handelt.
Da Canon zu den Firmen gehört, welche ihre Kommunikationsdetails der Schnittstelle (= des EF-Bajonetts) nicht veröffentlichen, können auch die Dritthersteller von Objektiven nur reverse engineering betreiben (testen und raten). Es kommt deshalb bei neuen Kameras immer wieder zu Inkompatibilitäten, obwohl die reine Mechanik und Elektrik des Bajonetts passen.
Aber selbst Canon hatte seine Schnittstellen nicht immer völlig im Griff. So kam es 2012 bei den beiden Spitzenmodellen 1D und 5D Mark III zu lautstarken Störungen an manchen, vor allem hochwertigen Objektiven. Erst durch mehrere Firmware-Updates konnte man die meisten Probleme lösen oder zumindest in Ihrer negativen Auswirkung reduzieren.
Dass ich dieses Beispiel erwähne, hat mehrere Gründe: Es belegt, wie sehr heute die Schnittstelle Bajonett von der Software abhängt. Die Kunden der Firma Canon waren kritisch und beschwerten sich, worauf der Hersteller auch reagierte und dies vor allem deutlich kommunizierte. - Vor allem letzteres ist heute eher selten und als positiv zu bewerten. Bei zahlreichen anderen Herstellern kam und kommt es ebenfalls zu derartigen software-abhängigen Störungen an der inzwischen hochkomplexen Schnittstelle Bajonett. Aber sie kommunizieren es nicht so, sondern reparieren es oft eher stillschweigend.
Wie unterschiedlich die Bajonette selbst bei den Vollformat-Objektiven und -Kameras de facto sind, zeigen die Anschlüsse (Anzahl der elektrischen Kontakte = pins). Viele Objektive und ältere Kameras besitzen 7 Kontakte. Manche moderneren Telekonverter (= Extender) und manche L-Objektive besitzen jedoch bis zu 3 weiteren Kontakten (Pins). Soviel zum Thema identische Bajonette.
Es dürfte somit klargeworden sein, dass keinesfalls jedes Objektiv mit EF-Bajonett mit jeder Kamera mit EF-Bajonett perfekt zusammenarbeitet.
Im September 2018 stellte Canon sein neues / weiters Bajonett RF vor, das wieder komplett inkompatibel zu allen anderen ist.
Auf die früheren inkompatiblen Bajonette will ich hier nicht eingehen, sondern mich nur auf das aktuelle X-Bajonett / X-Mount beschränken, das ausschließlich für APS-C-Sensoren gedacht ist.
Nur ein Bajonett, das überdies erst seit 2012 existiert, sollte die Gewähr für absolute Identität darstellen. Aber dies wäre in der schnelllebigen Zeit zu viel erwartet.
Da die alten Fuji X-Objektive (vor allem die weitwinkligen Festbrennweiten) auf Schärfe optimiert wurden, zeigen sie ein sehr langsames Autofokus-Verhalten und sind für die bei Bewegtmotiven erforderlichen kontinuierlichen Autofokus-Verfolgungen der modernen Kamera-Modelle kaum geeignet. D.h. die Anzahl der einsetzbaren Objektive für z.B. die Sportfotografie an den neuen Kameras reduziert sich deutlich, obwohl sie rein mechanisch an das Bajonett passen.
Von allen Herstellern bot Fuji in den 2010er Jahren eindeutig den besten Update-Service der Firmware. Das klingt zuerst einmal wundervoll. Aber es kann auch so gelesen werden, dass der Hersteller ständig und viel zu korrigieren hat. Mir fiel auf, dass vor allem neue Objektive oft ein Firmware-Update zahlreicher Kameras nach sich zog. Das dürfte auch den Schnittstellenproblemen des Bajonetts zuzuschreiben sein.
Noch erstaunlicher ist, dass im englischsprachigen Raum immer wieder über schlichtweg an der Kamera wackelnde Objektive berichtet wird. D.h. das X-Bajonett scheint zumindest mit manchen Objektiven an manchen Kameras ein gewisses Spiel zu besitzen. Manche Kunden schieben dies auf die mangelhafte Qualitätssicherung. - Gleichgültig, woran es liegt: Damit ist bereits die banalste Grundforderung / Definition eines Bajonetts nicht erfüllt: feste Arretierung des Objektives an der Kamera.
Auch hier gehe ich zur Vereinfachung nur auf das bis 2018 aktuelle Bajonett der Firma Nikon für APS-C und Vollformat-Kameras ein.
Wer bereits die Probleme der anderen Hersteller bezüglich der de facto unterschiedlichen Bajonette kennt, wird sich fragen, wie es bei Nikon aussieht, da die Firma sich rühmt, dass sie seit 1959 - d.h. seit fast 60 Jahren - immer noch dasselbe F-Bajonett / F-Mount verwendet.
Vollmundig wird gerne davon berichtet, dass sich - je nach Kameramodell - bis zu über 400 Nikkor-Objektive daran anschließen lassen. Mit Fremdobjektiven sollen es angeblich sogar über 1.000 sein. Das war somit in den 2010er Jahren das umfassendste System. (Ich habe dies nicht nachgeprüft. Mir klingt das alles zu sehr nach Tausend und einem Märchen.)
Um es vorweg zu nehmen: Obwohl ich seit Jahrzehnten auch mit Nikon-Kameras und Objektiven fotografiere, bin ich glücklich, dass sich andere, amerikanische Fotografen bereits durch das absolute Chaos bei Nikon-Bajonetten (ich benutze bewusst den Plural) durchgearbeitet haben und ich auf deren beeindruckende Auflistung der Probleme und hier zu den neuen AF-P-Objektiven verweisen kann.
Das Grundproblem liegt darin, dass man das F-Bajonett bei der Einführung des Autofokus weiterentwickeln
musste. D.h. de facto entstand damals für die neuen Autofokus-Kameras ein neues Bajonett, das man jedoch nicht so nannte. Drastische Weiterentwicklungen (= Veränderungen, Erweiterungen) des Bajonetts lassen sich u.a. für die Jahre 1977, 1982, 1983, 1986 und 1992 nachweisen. - In der Folge werde ich mich auf die gravierendsten generellen Problemfälle konzentrieren.
So passen z.B. (ältere) FX-Objektive mit Mitnehmer nicht an die neuen Nikon APS-C-Modelle z.B. D3#00 und D5#00. Da funktioniert noch nicht einmal der rein mechanische Anschluss. Die überstehenden Teile blockieren. Im Zweifel kann das jeder einfach ausprobieren. Als Nikon-Fotograf mit einigen älteren Objektiven und Kameras kann ich leidgeprüft aus der Praxis berichten. D.h. es existieren Unterschiede zwischen dem FX-Bajonett und dem DX-Bajonett bei Nikon. Jedoch hängen sie von einzelnen Kameramodellen ab. - Wie kompliziert dies ist, zeigen umfangreiche Kompatibilitäts-Listen im angloamerikanischen Raum.
Und selbst, wenn manche Objektive mechanisch an die Kamera passen, so werden nicht immer alle neuen Funktionen einer neuen Kamera unterstützt. Dies gilt auch und insbesondere bei Fremdherstellern, welche zu allen Zeiten durchaus hochwertige Objektive für alle Hersteller, wie Canon, Nikon und Sony anboten. - Als kleinen Beweis rate ich jedem Fotografen, einfach einmal die Anzahl der elektronischen Kontakte verschiedener Objektive (für das angeblich selbe Nikon F-Bajonett) nachzuzählen. Sie werden über die Schwankungen erstaunt sein. - Ich fand schon alles zwischen 5 und 10 elektrischen Kontakten, selbst bei original Nikkoren.
Dass sich selbst nicht einmal bei allen, sondern nur manchen AF-S-Objektiven für APS-C-Kameras 10 Kontaktstifte finden, sollte einen sogar skeptisch über die angebliche Einheitlichkeit innerhalb des DX-Bajonetts bei Nikon stimmen.
Und selbst bei der identischen Anzahl an elektronischen Kontakten werden bei Weitem nicht alle von jedem Objektiv oder jeder Kamera unterstützt.
Erwähnt werden sollte auch, dass viele moderne Nikon-Kameras überhaupt nur mit CPU-bestückten (also modernen) Objektiven fokussieren können. - Andere alte Objektive erfordern den nachträglichen Einbau eines Computerchips, damit sie mit manchen neueren Kameras zusammenarbeiten.
Sogenannte G-Objektive benötigen eine elektronische Kamera zur Blendensteuerung.
Manche Nicht-AI-Objektive (vor 1977) können sogar mechanische Schäden an modernen Kameras verursachen.
Es darf auch kaum verwundern, dass Nikon - wie Canon - ebenfalls große Probleme mit den modernen Schrittmotoren in Objektiven hat, die deshalb an vielen (auch relativ modernen Kameras wie der D800E aus dem Jahr 2012) nicht arbeiten, obwohl das Bajonett eigentlich passt.
Im Frühjahr 2017 stellte sich heraus, dass die neue D7500 zwar alte manuelle Objektive noch irgendwie anschließen konnte, jedoch z.B. nicht mehr deren Entfernungsangabe in Metern übertrug - also keine korrekten EXIF-Daten mehr übermittelte / erstellte.
Hier wird ersichtlich, dass das Wort kompatibel
in Bezug auf Bajonette extrem weit gestreckt wird. De facto handelt es sich um Augenwischerei. - Wie bei allen anderen Herstellern auch, so arbeiten bei Nikon nur modernste Kameras mit modernsten Objektiven am angeblich gleichen F-Bajonett wirklich fehlerfrei und in allen fotografischen Modi wie erwartet zusammen. Alles andere ist reines Glücksspiel.
Im August 2018 brachte Nikon ein komplett neues Z-Bajonett für spiegellose Kameras heraus, das in jeder Beziehung völlig inkompatibel zu allen alten Bajonetten der eigenen Firma und sowieso zu allen anderen Bajonetten der anderen Hersteller ist.
Sony besaß in den 2010er Jahren zwei bereits im Namen zueinander völlig inkompatible Bajonette A und E/FE parallel nebeneinander:
Das A-Bajonett (Minolta-AF-Objektive - A-Mount) stammt aus dem Jahr 1985 von der Firma Minolta (Minolta A-Mount-System).
Von den Sony-Anhängern wird dieses alte A-Bajonett gerne als zwangsweise übernommene Erblast
aus der Minolta-Zeit abgetan. - Diese Ausrede ist allerdings unzutreffend: Falls Sony das A-Bajonett als Erblast angesehen hätte oder heute so ansehen würde, so hätte man ausreichend Zeit gehabt, sich davon zu trennen. Der Aufkauf der Firma Minolta fand immerhin schon 2006 statt. Ferner hat Sony seit der Übernahme von Minolta eine ganze Reihe eigener SLT-Kameras und dazu passender neuer Objektive mit dem A-Bajonett herausgebracht. Gekrönt wurde dies 2017 mit dem neuen Spitzenmodell A99 Mark II.
Es gab einen guten Grund für dieses A-Bajonett: Es ist auf die Kameras mit Spiegel und die dazu passenden Objektive mit Phasenautofokus ausgelegt.
Exakt jene für den Phasenautofokus ausgelegten Objektive machen den Einsatz des Adapters für die neueren E- und FE-Bajonette auch so schwierig, da sich durch den in den 2010er Jahren dort verwendeten Kontrastautofokus der spiegellosen Kameras das Fokussieren damit deutlich verlangsamt. Letzteres wird oft verschwiegen.
Nebenbei sei erwähnt, dass die alten Minolta-Objektive nicht mit allen neuen digitalen Sony-Kameras korrekt zusammenarbeiten resp. nicht alle modernen Kamerafunktionen unterstützen. Das darf nach über 30 Jahren Weiterentwicklung des A-Bajonetts auch nicht verwundern.
Sony bietet Adapter zur Anpassung von A-Bajonett-Objektiven an das E- und FE-Bajonett (ich wähle bewusst den Begriff FE, siehe unten).
Das klingt auf den ersten Blick wirklich nett und hilfsbereit, ja geradezu kundenorientiert und fürsorglich, wie sich die Firma um die Fotografen bemüht. In Wirklichkeit handelt es sich bei einem firmeneigenen Adapter um das Eingeständnis des Herstellers über das völlige Versagen seines Managements:
Der Adapter belegt, dass die Firma eingesehen hat, dass man technisch ein neues Bajonett benötigt.
Der Adapter belegt ferner, dass die Technikabteilung und die Herstellung auf absehbare Zeit nicht in der Lage sind, für das neue Bajonett eine ausreichende Anzahl geeigneter Objektive zu entwickeln und zu produzieren.
Ich kann mir schon jetzt wieder die große Zahl der E-Mails der Sony-Anhänger vorstellen: Ja, was hätte Sony denn bei der A7-Modellreihe Mark I auch sonst tun sollen?
- Ganz einfach: Wie Pentax strategisch planen und im Voraus die dazu erforderlichen Objektive entwickeln und produzieren - und erst danach die neue Vollformat-Kamera mit dem neuen Bajonett herausbringen. Aber die korrekte strategische Planung und dann auch konsequente Umsetzung derselben wird heute selbst von Analytikern der Fotobranche nicht mehr erkannt, verstanden oder gelobt. Dann kann man so etwas auch von den meisten Fotografen (und von fanatischen Anhängern sowieso) kaum mehr erwarten.
Letztendlich ist ein firmeneigener Adapter somit das plakative Symbol für einen überhasteten Schnellschuss: Und exakt dies stellte die Modellreihe Alpha 7 Mark I auch dar. Die Probleme jener Kameras der ersten Serie in der Fotopraxis reichten bis hin zu unterdimensionierten Bajonetten, welche mit schweren Teleobjektiven sich verbiegen können und in Extremfällen sogar zum Herausbrechen des gesamten Bajonetts führen können. Dass auch sonst die bemängelten Fehler an der Serie massiv waren, sah sogar der Hersteller ein und brachte kurz darauf die in fast allen Punkten komplett überarbeitete / veränderte Kamera-Version Mark II heraus.
Überdies funktionieren Adapter selten so, wie vom Marketing versprochen: Reine Metallringe schließen ein Objektiv nur an die Kamera an, erlauben jedoch keine mechanische oder elektrische oder gar elektronische Kommunikation zwischen Kamera und Objektiv. D.h. der Fotograf muss alles manuell einstellen. Aber selbst die hochwertigsten elektronischen Adapter für den stolzen Preis eines Objektives (am anderen Ende der zahllosen Adapter-Auswahl) bieten niemals die gleiche Leistung, welche das Objektiv am Original-Bajonett erbringen würde. In der Regel sind zumindest die Autofokus-Zeiten spürbar langsamer. In vielen Fällen kommt es immer wieder zu unerklärlichen Problemen beim Scharfstellen (z.B. andauerndes Pumpen um den Fokuspunkt = hunting), die sich fast nie nachvollziehen und somit auch nicht reparieren lassen. In einigen Fällen sinkt die Bildqualität sichtbar ab.
Adapter stellen somit ein Armutszeugnis dar, deuten auf massive Probleme und sollten jeden an der problemlosen Fotopraxis interessierten Anwender hellhörig werden lassen.
Dies gilt insbesondere, wenn Sony in den 2010er Jahren gleich vier verschiedene Adapter anbot. Von identisch
kann da keine Rede mehr sein.
Und Sony räumte inzwischen gegenüber dem amerikanischen Fotofachmagazin DPReview auch ein, dass keiner seiner Adapter - weder bei Fremdobjektiven noch bei seinen eigenen A-Bajonett-Objektiven - weder den Augen-Autofokus noch die Motivverfolgung unterstützen. Das versuchte man danach mit zahlreichen Firmware-Updates (also Software) zu beheben, was jedoch laut Foreneinträgen nicht immer mit allen Objektiven und mit allen Kameras funktionierte.
Für seine zuerst nur im APS-C-Format angebotenen spiegellosen Kameras (damals unter dem Namen NEX vertrieben) entwickelte Sony das E-Bajonett (E-Mount) seit 2010. - Der Name E
soll vom für spiegellose Kameras gewählten Auflagenmaß von Eighteen millimetre
- also 18 Millimeter Abstand zwischen Flansch und Sensorebene - stammen.
2013 brachte Sony in kurzer Folge drei Vollformat-Kameras der Serie A7 Mark I heraus. Die dafür erforderlichen Objektive benutzen offiziell dasselbe E-Bajonett, sind jedoch - im Gegensatz zu den APS-C-Modellen - für den etwa doppelt so großen Sensor des Vollformats / Kleinbildformats (35,8 * 23,9 mm) gerechnet.
Vor allem deutsche Sony-Puristen schreiben mir gerne, dass es nur ein E-Bajonett gäbe, aber kein FE-Bajonett:
Dass es sich bei FE-Bajonett um einen weltweit gebräuchlichen Ausdruck handelt, erkennt man leicht an den zehntausenden Suchtreffern bei jeder Suchmaschine. Insbesondere in den angloamerikanischen Ländern wird seit Jahren vom FE-Mount
geschrieben.
Und selbst im englischen Wikipedia gab es bis vor kurzem einen Artikel zum FE-Mount - siehe den blauen ref-Link (Redirected from Sony FE-mount)
unter dem nun neuen Titel. - Dazu entgegnen dann die Sony-Anhänger: der Artikel wurde gelöscht, weil er falsch war.
Es erstaunt mich immer wieder, woher diese Leute ihr angebliches Wissen beziehen. Bei Wikipedia wird nichts gelöscht, weil es falsch ist. Wer etwas über die völlig unwissenschaftliche, oft zu tiefst unseriöse sowie teilweise kriminelle Tätigkeiten der Autoren bei Wikipedia lernen möchte, findet hier einige Erklärungen.
Korrekt ist jedoch, dass Sony alles tut, diese neuen Objektive für die Vollformat-Klasse (Kleinbildäquivalent) als identisch zum E-Bajonett der alten APS-C-Reihe erscheinen zu lassen und sie als E-Bajonett bezeichnet - aber mit dem Zusatz FE-Objektive versieht.
Dennoch sind bei Sony E-Objektive nicht mit FE-Objektiven identisch, auch wenn der Bajonettanschluss mechanisch gleich aussieht und die Objektive (in beiden Richtungen: altes Objektiv an neue Alpha-Kamera und neues Objektiv an alte NEX-Modelle) montiert werden können.
Ein Blick auf die Sony-Seite ergibt, dass die Firma selbst ihre neuen Objektive für die Alphas als FE bezeichnet. Das hat durchaus seinen Grund. - Ferner haben mir Techniker von Sony vertraulich mitgeteilt, dass es einige kleine Unterschiede im Detail gibt.
Bereits die Tatsache, dass es je zwei unterschiedliche Adapter für A-Bajonett-Objektive für die APS-C-Kameras und für die Vollformat-Kameras gibt (LA-EA1-4), sollte jedem logisch denkenden Menschen verdeutlichen, dass es da Unterschiede im Bajonett geben muss. Bei Identität würde ein einziger Adapter für beide Sensorgrößen ausreichen.
Ferner muss es auch einen Unterschied in der Schnittstelle zwischen der Modelreiche A7 Mark I und der Mark II geben, da die Mark II-Modelle den 5-Achsen-Bildstabilisator besitzen, welcher natürlich mit den Objektiven kommunizieren muss, da sich sonst die Bildstabilisatoren im Objektiv mit denen in der Kamera gegenseitig stören würden.
Und auch die immer wieder gelobte mögliche Verwendung der APS-C-Objektive an den Vollformat-Kameras hat einen kleinen Haken. Die Vollformat-Kameras stellen dann - wie bei Nikon - automatisch auf das kleinere Sensorformat um. Aber, wie bei Nikon, wird dadurch - nebenbei - die Bildqualität schlechter. - Um evtl. Missverständnisse zu klären: Es geht hier nicht um die Reduktion der Pixelzahl, sondern um die zusätzlich abnehmende Bildqualität. Sie können diesen weltweit bereits mehrfach durchgeführten Versuch gerne selbst nachvollziehen. - An den Sensoren der Vollformatkameras kann es weder bei Nikon noch bei Sony liegen. Sie stammen alle von Sony und gelten als das Beste, das es derzeit überhaupt gibt. Wenn also APS-C-Objektive am höherwertigen Vollformatsensor eine geringere Bildqualität liefern als am APS-C-Sensor, dann darf man durchaus die Frage stellen, ob dies an der unterschiedlichen Schnittstelle (= am Bajonett) liegt.
D.h. etwas einfach nur mechanisch anschließen können, ist ein notwendiges aber kein hinreichendes Kriterium für absolute Identität.
Warum legen dann Sony und vor allem deren (bezahlte) Schreiberlinge sowie fanatische Anhänger einen so großen Wert auf die angebliche absolute Identität zweier Kamera- und Bajonett-Systeme?
Sony besaß für das E-Bajonett ab 2010 zuerst nur die Kameras der APS-C-Klasse (damals NEX genannt). Erst ab 2013 kamen Kameramodelle der Vollformat-Klasse hinzu.
Nun fand sich Sony plötzlich in derselben misslichen Situation, wie viele andere Kamerahersteller: Man wollte die Kunden von den preiswerten APS-C-Modellen zu den teuren und für die Firma lukrativen Vollformatkameras locken. Zum Preisschock kommt, dass bei der A7RII und der A9 die dann erforderlichen G-Master-Objektive keineswegs mehr leicht oder klein sind (Hauptargumente der Anhänger der spiegellosen Systeme). Die meisten Bestandskunden (=APS-C-Fotografen) würden vor einem Aufstieg zurückschrecken, wenn ihnen klar wäre, wie aufwändig der Wechsel / die erforderlichen hochwertigen Objektive in der Vollformatklasse sind, und wenn sie wüssten, dass sie alles neu kaufen müssen. Folglich lockt man mit dem angeblich identischen Bajonett und suggeriert den Kunden, dass sie diese alten APS-C-Objektive weiterbenutzen könnten. Sie werden dann schon selbst merken, wie schlecht die Bildqualität mit den APS-C-Objektiven an der Vollformat-Kamera ist und wie groß die Einschränkungen in der Fotopraxis wirklich sind. D.h. die Kunden werden scheibchenweise gemolken.
Während Canon dies seinen aufsteigenden Kunden hart sagt, schleicht sich Nikon so etwas weich um den Busch herum, sagt schließlich dann dem Kunden doch, dass er de facto die Objektive neu kaufen soll. Aber Sony und vor allem deren Anhänger sind hier am dreistesten. - Es geht hier um extrem viel Geld, sowohl für jeden privaten Fotografen als auch für die daran beteiligten Firmen. Dies erklärt die Aggressivität bei Kritik mit physikalischen Fakten.
Und zum Abschluss pointiert: Ich kann nur jedem an Sony-Kameras interessierten Fotografen dringend raten, genau bei den Objektiven zwischen E (für APS-C) und FE (für Vollformat) zu unterscheiden. Jede Kamera-Klasse benötigt die eigenen darauf optimierten Objektive. Mit Verwendungen über Kreuz werden Sie (wie bei allen anderen Herstellern auch) nicht glücklich.
Nachtrag: Inzwischen kann ich auch nachweisen, dass die Bajonette an den Modellen A7 Mark I, Mark II und A9 unterschiedlich befestigt sind. Aufgrund der großen Belastungen dort (und den Problemen damit im Alltag) wurden sie kontinuierlich verstärkt und die A9 erhielt nochmals mehr Schrauben zur Befestigung. Dennoch galt das Bajonett Bis Ende der 2010er Jahre als mechanische Schwachstelle.
Herstellerübergreifend gilt:
Modernste Objektive sind heute keine reinen Optiken mehr. Sie besitzen auch nicht nur etwas Mechanik, sondern Elektrik, Elektronik, eigene Chips und eigene Software zur Steuerung.
Bajonette bildeten folglich bereits in den 2010er Jahren hochkomplexe elektronische und überwiegend Software-gesteuerte Schnittstellen zwischen Kamera und Objektiv. Die rein mechanische Anschließbarkeit (Befestigung) bildet heute keine Garantie mehr für identische Funktionen.
Der Begriff Kompatibilität ist in Bezug auf Bajonette inzwischen zu einem Marketing-Schlagwort verkommen, das über zahllose Probleme im Detail hinwegtäuscht.
De facto handelt es sich bei den angeblich kompatiblen Bajonetten um Augenwischerei. - Bei allen Herstellern arbeiten nur die modernsten Kameras mit den modernsten Objektiven am angeblich gleichen Bajonett wirklich fehlerfrei und in allen fotografischen Modi wie erwartet zusammen. Alles andere ist Glücksspiel.
Solange die Kamera-Hersteller nicht schriftlich und somit einklagbar versichern, dass die mit ihrem #-Bajonett beworbenen Objektive und Kameras absolut identische Schnittstellen besitzen, ist dies nicht der Fall. - Und meines Wissens legt (vom standardisierten Micro-Four-Thirds-System abgesehen) kein Kamerahersteller alle Schnittstellendetails seiner Bajonette offen. Sie werden schon wissen, warum.
Ganz im Gegenteil sollten einen die zu fast jeder neuen Kamera und jedem neuen Objektiv inzwischen offiziell herausgegebenen oder inoffiziell im Internet verfügbaren umfangreichen Kompatibilitätslisten mit vielen Fußnoten verwundern, in denen dargestellt wird, was wie und unter welcher Bedingung funktioniert, eingeschränkt arbeitet oder nicht möglich ist. Wenn die Schnittstellen = Bajonette tatsächlich identisch wären, dann bräuchte es diese Listen nicht.
Ferner sollte auch jedem auffallen, dass ein rein mechanisches Bajonett (wenn es so etwas noch gäbe) kein Firmware-Update benötigte, bevor man mit einem neuen Objektiv an einer alten Kamera oder manchem alten Objektiv an einer neuen Kamera arbeiten kann.
Den Normalfotografen, der nur ein neues Objektiv an die eine neue Kamera (beides meist gleichzeitig) kauft, werden diese teilweise nur in den Tiefen der fotografischen Details existierenden Probleme vermutlich nicht stören.
Für Fotografen mit bereits existierender älterer Gesamtausstattung (u.a. Telekonverter), welche Kameras und Objektive wirklich ausreizen wollen, kann das jedoch zu einem Ärgernis werden.
Informieren Sie sich deshalb bei jeder Veränderung (sei es eine Kamera oder ein Objektiv) vorher genau.
Lassen Sie sich ferner nicht durch die immer wieder im Internet oder in Werbe-Broschüren der Hersteller abgebildeten riesigen Ansammlungen von Objektiven täuschen. Erstens handelt es sich meist um alle Objektive für alle denkbaren Kamera- und Sensorgrößen, welche der Hersteller überhaupt anbietet, - nicht nur um die wenigen passenden für Ihre Sensorklasse / Ihr Kameramodell. - Zweitens soll dies psychologisch nur Ihren Sammlertrieb ansprechen, der überhaupt nichts mit dem Hobby Fotografie zu tun hat. - Drittens sieht es heute fast jeder Fotograf als Strafe an, mehr als 10 Objektive mit sich herumtragen zu müssen.
Überdies sind die meisten der heute noch erhältlichen Objektive (praktisch alle vor dem Jahr 2000 konzipierten) für analogen Film gerechnet und somit überhaupt nicht für digitale Kameras gedacht. Sie funktionieren evtl. daran. Aber sie erreichen niemals die von digitalen Kameras gelieferte Schärfe des Sensors.
Das damit erzeugte weiche Bild alter Objektive mag zwar künstlerisch ansprechend sein. Aber fast alle derartigen Effekte können Sie heute auch viel einfacher und vor allem viel preiswerter mittels Software nachträglich erzielen.
Fast alle zwischen 2000 und 2010 herausgebrachten Objektive mögen zwar für digitale Sensoren gerechnet sein und auch an einer neuen Kamera funktionieren, sind aber definitiv nicht für die modernen Sensoren über 30 Mega-Pixel optimiert. D.h. nur mit den modernsten Objektiven schöpfen Sie bei diesen hochauflösenden Kameras auch wirklich das Potenzial der Kameras aus.
Und um noch eine weitere Verschärfung zu erwähnen: Nur die allermodernsten Objektive ab ca. 2015 sind für die inzwischen bereits verfügbare resp. geplante Generation der 50-100 Mega-Pixel-Kameras konzipiert.
Wer sich im Übrigen nun zurücklehnt und sagt: Nun ja, dann gibt es eben einige Probleme bei Bajonetten
, dem sei entgegnet, dass das grundlegende Problem die (verschiedenen) Systeme an sich sind. D.h. Inkompatibilitäten finden sich bei allen Systemkameras an jeder Schnittstelle: dem Blitzgerät, der Fernbedienung / dem Fernauslöser, den Batterien, den Batterieladegeräten, den Speicherkarten ...
Trotz der geschilderten Problematik wünsche ich Ihnen weiterhin viel Freude beim Fotografieren und Filmen.
Liebe Leserinnen und Leser,
damit diese umfangreichen, kostenlosen, wissenschaftlich fundierten Informationen weiter ausgebaut werden können, bin ich für jeden Hinweis von Ihnen dankbar.
Deshalb freue ich mich über jede schriftliche Rückmeldung, Fehlerkorrekturen, Ergänzungen, Neue Informationen etc. Ihrerseits per E-Mail oder Kontakt-Formular.
Um meine Neutralität zumindest auf dem hier beschriebenen Feld der Fotografie und Videografie wahren zu können, nehme ich bewusst von keinem Hersteller, Importeur oder Vertrieb irgendwelche Zuwendungen jeglicher Art für das Verfassen der absolut unabhängigen Artikel an. Auch von Zeitschriften oder Magazinen aus dem Fotobereich erhalte ich keinerlei Zuwendungen.
Deshalb freue ich mich, wenn Sie mein unabhängiges Engagement für Sie durch einen gelegentlichen Kauf bei Amazon über die hier angegebenen Links unterstützen. Es ist gleichgültig, welches Produkt Sie über diesen Link kaufen. - Es kann auch jede andere Ware außerhalb des Fotobereiches sein. Alle Preise sind und bleiben für Sie gleich niedrig, wie wenn Sie direkt zu Amazon gehen. Aber durch Ihren Klick auf meinen Link erhalte ich evtl. Monate später eine sehr kleine prozentuale Prämie (Cents je Kauf), welche mir hilft, die hohen Kosten bei der Erstellung der Artikel zumindest teilweise zu decken. - Bitte starten Sie Ihre Einkäufe bei mir.
Herzlichen Dank an alle für Ihre bisherige Unterstützung.
Ja, ich möchte die Unabhängigkeit dieser Seite unterstützen und kaufe über diesen Link bei Amazon
Pflichtangabe: Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen. Alle derartigen sogenannten 'bezahlten Links' zu Amazon sind farblich in Rot gekennzeichnet.
Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Freude beim Fotografieren und Filmen.
Foto Video Design - Dr. Schuhmacher